F-35 Atombomber: Viel Geld für wenig Sicherheit

Sonja Hochgesand Greenpeace e.V. • 22 June 2022
in der Gruppe Themengruppe Frieden

Unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat Bundeskanzler Olaf Scholz am 27.2.2022 eine bisher nie dagewesene Investitionssumme für die Bundeswehr angekündigt – ohne jede parlamentarische oder gesellschaftliche Debatte im Vorfeld. Am 3. Juni 2022 hat der Bundestag der Schaffung eines Sondervermögens in Höhe von 100 Milliarden Euro zugestimmt.

Unter anderem sollen davon auch 35 Kampfflugzeuge des Typs F-35 angeschafft werden. Diese sollen in Teilen die etwa 90 Tornado-Kampfflugzeuge ersetzen.

Aufgrund der vorgesehenen Rolle als nukleares Trägersystem müsste Deutschland eine modernisierte Version der F-35, auch bekannt als F-35 Block 4, beschaffen, denn erst diese soll für einen Einsatz von Atombomben zertifiziert sein. Die F-35 Block 4 befindet sich in einer andauernden Phase der Weiterentwicklung. Ein Abschluss ist nicht vor 2029 zu erwarten.

Genau das könnte zu einem technischen, finanziellen und politischen Fiasko werden, wie die am 23.6.2022 von Greenpeace veröffentlichte Studie zeigt.

So weist das Kampfflugzeug auch 10 Jahre nach der Entwicklung noch über 800 Mängel auf, wodurch die Kosten für Kauf und Betrieb unklar sind und erheblich höher als geplant ausfallen könnten. 

Ob das Flugzeug alle Tests für die Serienreife bestehen wird, ist völlig unklar. Die größten Probleme:

  • Immer mehr F-35 müssen am Boden bleiben, weil sie kein funktionierendes Triebwerk haben. Der US-Rechnungshof warnt: Falls nicht drastisch gegengesteuert wird, könnten 2030 bis zu 43 Prozent der Flugzeuge flugunfähig sein.
  • Im Schnitt kann eine F-35 nur in weniger als 40 Prozent der Zeit alle ihre Aufgaben erfüllen („voll einsatzbereit“). Selbst ein „teilweise einsatzbereit“ (fliegen und mindestens eine Aufgabe erfüllen) erreichen nach US-Angaben nur 68,8 Prozent.
  • Der für die Tests notwendige Simulator ist noch nicht fertig. Daher kann noch gar nicht beurteilt werden, über welche Fähigkeiten die F-35 im Ernstfall verfügt.
  • Die Tests könnten auch an den noch 826 bestehenden Mängeln scheitern, davon vier kritische Mängel der sicherheitsrelevanten Kategorie I.

 

Dazu Greenpeace-Experte Christoph von Lieven:

„Der Kauf der F-35 wäre eine gravierende Fehlinvestition. Das Vorhaben zeigt exemplarisch, dass die hektisch getroffenen Entscheidungen nach Beginn des Ukrainekrieges und der Fokus allein aufs Militärische nicht wirklich zu mehr Sicherheit führen. Hier wird sehr viel Geld in ein Projekt gesteckt, das in mehrfacher Hinsicht riskant ist. Diese Summe fehlt für Maßnahmen, die echte Sicherheit schaffen wie Klimaschutz, Bildung, Völkerverständigung und die Stärkung ziviler Friedensprävention.“

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