Lokalkampagne: Biodiversität in Freiburg

Agnès Lamacz Greenpeace Ortsgruppe • 1 October 2021
in der Gruppe Greenpeace Freiburg
Biodiversität in Freiburg

Die Patenschafts-Wiese von Greenpeace Freiburg

 

Die Patenschafts-Wiese (gegenüber der Andlawstraße 45 in Kooperation mit "Freiburg packt an") ist ein Projekt von Greenpeace Freiburg im Rahmen der Lokalkampagne Biodiversität, durch das nicht nur das Stadtbild verschönert, sondern vor allem auch die Biodiversität gefördert werden soll.

Biodiversität setzt sich zusammen aus der genetischen Vielfalt, der Vielfalt der Arten und der Ökosysteme (z.B. Seen, Flüsse, Wald, Wiesen). Leider nimmt diese Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, immer mehr ab. Deshalb soll diese Wiese, für die Freiwillige von Greenpeace Freiburg die Pflege übernommen haben, mehr einheimische Blumen und Pflanzen für Insekten bereitstellen. Damit ist sie wie ein kleines Buffet für Insekten und andere Tiere und kann so einen kleinen Teil zur Artenvielfalt in Freiburg beitragen. In die Rasenfläche wurde dafür zunächst Saatgut mit heimischen Blumen und Stauden eingepflanzt. Außerdem wird die Wiese nur etwa zweimal im Jahr gemäht, wodurch die Blumen länger blühen – und von Insekten besucht werden können.

Biodiversität Freiburg
Ehrenamtliche bereiten die Aussaat der Blumenmischung vor.

 

Mit unserer Mitte April 2021 gestarteten Biodiversitätskampagne verfolgen wir insbesondere das Ziel, Freiburgerinnen und Freiburgern das Thema der Biodiversität und deren Bedeutung sowohl für sie selbst als auch im größeren Kontext näherzubringen. Durch eine Infotafel an der von uns neu bepflanzten Wildblumenwiese in der Oberau sind einige kurze Infos dargestellt. Auf dieser Seite finden sich weitere, vielfältige Informationen zu dem Thema: Was machen wir auf der Fläche und warum? Warum nimmt die Biodiversität insgesamt ab und wie kann jede:r Einzelne dagegen etwas tun?

Biodiversität Freiburg
Die Patenschaftswiese, nach der ersten Mahd mit einer Sense.

 

Was ist Biodiversität?

Die Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, umfasst die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Damit sind verschiedene Pflanzen-, Tierarten sowie weitere Lebewesen (z.B. Pilze) (Artenvielfalt), aber auch die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Individuen derselben Art (genetische Vielfalt) und auch die Vielfalt an Ökosystemen (z.B. Seen, Flüsse, Wald, Wiesen) gemeint. Der Erhalt dieser Vielfalt ist sehr wichtig für alle Lebewesen auf der Erde – also auch für uns Menschen. Auch in der Stadt ist der Erhalt der Biodiversität für viele Lebewesen, auch für uns Menschen, wichtig, da sie direkte und indirekte Auswirkungen auf uns und die Natur hat. Es ist zum Beispiel wissenschaftlich belegt, dass Menschen sich wohler fühlen, wenn es in ihrer Umgebung eine höhere Artenzahl gibt. Außerdem nutzen Menschen die Natur für viele Aspekte unseres Lebens – bewusst und unbewusst profitieren wir von den sogenannten Ökosystemdienstleistungen.

Biodiversität Freiburg
Verschiedene Arten stehen in Beziehung: ein Star füttert sein Küken mit Insekten

 

Ein Obstsalat auf unserem Tisch kommt von einem Landwirt, der diese von den Obstbäumen erntet. Damit die Bäume Früchte tragen, müssen sie eine ausreichende Menge an unterschiedlichen Bestäubern wie Bienen und Hummeln besuchen. Wenn diese Früchte am Baum hängen, kommen weitere Herausforderungen, zum Beispiel pflanzenfressende Insekten. In einer Landschaft mit einer hohen Biodiversität kann es andere Tiere geben, die diese Schädlinge wiederum fressen und somit die Ernte der Landwirte - und unseren Obstsalat - retten.

Auch in anderen Bereichen können wir von der biologischen Vielfalt profitieren: weltweit werden 50.000 bis 70.000 Pflanzenarten für medizinische Zwecke verwendet. Die Liste des positiven Nutzen der Natur für die Menschen könnte noch weiter gehen: bewusst und unbewusst profitieren wir von den sogenanten Ökosystemdienstleistungen. Ein großer Teil hängt direkt oder indirekt von einer hohen biologischen Vielfalt ab.

 

Rückgang der Biodiversität

Mit dem Rückgang der biologischen Vielfalt sind auch Ökosystemdienstleistungen betroffen - von der Natur bereitgestellten Leistungen, die Menschen nutzen. Je höher die Biodiversität, desto besser ist die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme bei Veränderungen der Umweltbedingungen und desto stabiler sind auch die Ökosystemleistungen. Mit der Zerstörung bzw. dem Verlust der Biodiversität nehmen diese Leistungen stetig ab. Dabei sind sie für das menschliche Leben unverzichtbar und können (wenn überhaupt) nur mit hohem technischem Aufwand und Kosten ersetzt werden.

Für uns relevante, zentrale Ökosystemleistungen sind zum Beispiel die Bereitstellung von Sauerstoff durch Pflanzen, die Regulierung des Nährstoffkreislaufs durch Kleinstlebewesen wie Bakterien und Pilze, Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen, aber auch die Bodenfruchtbarkeit, der Schutz vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser, Hangrutschen und Lawinen und die natürliche Schädlingskontrolle. Hier gilt auch wieder: Je intakter die Selbstreinigungskräfte der Gewässer, desto einfacher und kostengünstiger ist die Gewinnung von Trinkwasser. Je größer die natürliche Bodenfruchtbarkeit, umso geringer ist der Einsatz von teuren Düngemitteln.

Ein Verlust der Biodiversität bringt also nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Folgen mit sich. Noch dazu bedeutet ein solcher Verlust von biologischer Vielfalt vor allem auch ein Verlust genetischer Vielfalt innerhalb der Artenpopulation. So ist zum Beispiel ein Drittel der in Deutschland erfassten Tier- und Pflanzenarten gefährdet (Artenschutzreport Bundesamt für Naturschutz). Der Zustand bei den Wirbellosen Tieren, wozu auch die Insekten gehören, ist sogar noch schlimmer: hier sind fast die Hälfte aller Arten betroffen!

Für einen großen Teil des dramatischen Rückgangs der biologischen Vielfalt ist der Mensch verantwortlich. Gründe hierfür sind zum Beispiel der Anbau von Monokulturen wie Mais, Weizen oder Fichten, die ursprünglich artenreiche Landschaften bedecken und wenig Platz für Artenvielfalt lassen. Ebenso rottet die Überfischung der Meere, die Übernutzung von Tropenhölzern und die Jagd auf Wildtiere viele Arten aus. Die Unmengen an Abfall und Abwässern aus Haushalten und Industrie und der hohe Einsatz von Düngemittel und Pestiziden zerstören die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Auch die Bebauung und Veränderung der Natur verändert oder zerstört Lebensraum: Autobahnen und Bahngleise sind gefährliche Hindernisse, Staudämme versperren Fischen den Weg, Feuchtgebiete werden trockengelegt und Wald und Wiesen in Städte und Nutzflächen verwandelt. Und die Liste des menschlichen Eingreifens ist noch länger und länger.

Deshalb hat sich die Bundesregierung eigentlich zum Ziel gesetzt, den Verlust der biologischen Vielfalt in Deutschland aufzuhalten. Außerdem gibt es einen Tag der Biodiversität am 22. Mai, um den Rückgang der Artenvielfalt immer wieder ins Bewusstsein zu rufen und aktiv dagegen vorzugehen.

Biodiversität Freiburg
Ein Schmetterling (Kleiner Fuchs) isst Nektar von Blumen und bestäubt sie währenddessen.

 

Was kann eine kleine Wiese schon am Biodiversitätsrückgang ändern?

Tiere und Pflanzen werden in der Natur immer weiter zurückgedrängt. Eine der größten Gefahren für sie ist, dass die Entfernungen zwischen den Lebensräumen immer größer werden. Wenn wir noch mehr Häuser und Straßen bauen – mehr Fläche versiegeln - und auf den Grünflächen nur Gras und keine Blumen wachsen lassen, müssen Insekten sehr weit fliegen, um Nahrung zu finden. Aber auch die Partnersuche wird dadurch schwerer, wenn es weit und breit keine anderen Insekten gibt. Außerdem benötigen Insekten einen geschützten Ort, an dem sie sich zurückziehen und erholen können.

Sind die Wege kürzer und besser miteinander verbunden, haben Insekten bessere Überlebenschancen und sind auch auf weitere Herausforderungen z.B. auf Folgen des Klimawandels besser vorbereitet. Eine blühende Wiese reicht jedoch nicht aus. Sie ist wie eine Oase in der Wüste. Wenn es aber ganz viele Wiesen und Gärten gibt, die nah genug sind, um von den Insekten erreicht werden zu können, dann ist das ein Beispiel von einem Biotopverbund. Dadurch sollen die verschiedenen Lebensräume besser vernetzt werden.

In der Stadt kann somit jede:r einen kleinen Beitrag zu dem Schutz der Biodiversität beitragen, indem wir beispielsweise darauf achten, wie unsere Gärten und Balkone bepflanzt sind und gepflegt werden. Insektenfreundliches Saatgut enthält vor Allem einheimische Pflanzen und Pflanzen, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen.

Autorin: Tessa, Landwirtschaftsgruppe Greenpeace Freiburg

 

Weitere Informationen:
 

- Bienenratgeber von Greenpeace

- Pestizide Info

- Beratungsangebote und Seminare zu Biodiversitätsförderung in der Stadt bietet u.a. die Ökostation Freiburg: https://www.oekostation.de/de/

- Über „Freiburg packt an“ kann man an unterschiedlichen Projekten teilnehmen z.B. Baumbeet-Patenschaften : https://www.freiburg.de/pb/,Lde/233288.html

- Kontakt zur Ortsgruppe Greenpeace Freiburg: info(at)greenpeace-freiburg.de