Im Sommer haben wir an einem vom Wasserexperten Nik Geiler geführten Schwammstadt-Spaziergang teilgenommen. Vielen Dank an den BUND für die Organisation! Wer sich für das Thema interessiert, kann am 22.10. zur Ökostation. Um 18 Uhr findet eine Infoveranstaltung statt: https://oekostation.de/event/mit-schwammstadt-in-die-zukunft/
Auf den Bildern weiter unten seht ihr konkrete Beispiele aus Freiburg, beides positiv und negativ.
Aber als Erstes: Was ist eigentlich eine Schwammstadt? Das erklärt die Initiative Schwammstadt Freiburg ganz genau in diesem Text:
Freiburg ist schon heute eine der heißesten Städte in Deutschland - und es wird voraussichtlich noch viel heißer. Was demgegenüber Starkniederschläge anrichten können, war am 24. Aug. 2023 erlebbar: Ein Wolkenbruch führte zu zahlreichen überfluteten Kellern und zu über 400 Feuerwehreinsätzen. Drei Schulsporthallen und zahlreiche weitere öffentliche Einrichtungen waren wegen Nässeschäden nicht mehr zu benutzen. Es steht zu befürchten, dass der Klimawandel zu immer mehr und immer heftigeren Wolkenbrüchen führen wird.
Um die Auswirkungen dieser Wetterextreme zumindest etwas zu dämpfen, wurde das Konzept der Schwammstadt entwickelt: Durch die Befreiung des Bodens von Beton und Asphalt soll Regenwasser versickern und „wie in einem Schwamm" gespeichert werden. Durch viel mehr Begrünung in der Stadt sollen Bäume, Sträucher, Stauden, Dach- und Fassadenbegrünung in Hitzeperioden einen Teil des gespeicherten Wassers verdunsten und damit die Hitze lindern.
Ein großer Baum verdunstet an einem heißen Tag bis zu 300 Liter Wasser - und produziert damit Verdunstungskühle. In Hitzewellen funktionieren Bäume wie Klimaanlagen: Schier unerträgliche Hitze in unserer Stadt wird damit gemildert.
Weniger Asphalt und Beton fördern zudem die Grundwasserneubildung. Mehr Entsiegelung entlastet bei Starkniederschlägen („Wolkenbrüchen") die Kanalisation.
Nach Berner Vorbild haben wir im Juli 2024 zuerst auf dem Rathausplatz ein Modell der Schwammstadt aufgebaut - und wegen dem Weihnachtsmarkt im Nov. 24 auf den Adelhauserplatz verlegt. Das Modell demonstriert, wie die Schwammstadt im Prinzip funktioniert. Die Schwammstadt im Kleinen: Oben viel Grün, das die Gebäude kühlt und abschattet, unten (im Modell eingehängt) der Wasserspeicher für das Regenwasser. Und an der südlichen Frontseite haben wir noch Fassadengrün gepflanzt, das im Sommer 2025 bei Bedarf über eine Pumpe mit dem gespeicherten Regenwasser versorgt werden kann. Der Antrieb der Pumpe erfolgt über zwei kleine Solarmodule (Photovoltaik). Mithin ein Beispiel für Regenwasserspeicherung und Regenwassernutzung als Bestandteil der Schwammstadt.
Wenn Sie unsere Initiative zum Umbau von Freiburg zur Schwammstadt in Zeiten der Klimakrise gut finden, dann können Sie mit Ihren Gemeinderäten sprechen, damit in Freiburg mehr Tempo auf dem Weg zur Schwammstadt vorgelegt wird. In der „Klimaanpassungsstrategie", die der Gemeinderat am 6. Mai. 2025 verabschiedet hat, braucht es angesichts der zunehmenden Wetterextreme noch viel mehr Ehrgeiz und Kreativität.
Mit dem Schwammstadt-Modell wollen wir den Gemeinderat und die Stadtverwaltung dazu ermuntern, beim dringend anstehenden Umbau von Freiburg zur Schwammstadt noch mehr Elan als bisher zu zeigen. Für den Erhalt der Lebens- und Aufenthaltsqualität in Freiburg braucht es angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels deutlich mehr Schwung beim Entsiegeln, beim Anpflanzen von Bäumen und Fassadengrün sowie bei der Anlage von Versickerungsmulden.
Falls Sie in Freiburg selbst aktiv werden wollen, um auf Ihrem Grundstück oder an Ihrem Gebäude mit der Entsiegelung anzufangen, Asphalt durch Rasengittersteine zu ersetzen, Dachablaufwasser dezentral zu versickern, Regenwasser zu nutzen, eine Fassadenbegrünung anzubringen oder eine Dachbegrünung anzulegen, bietet Ihnen die Stadt ein Förderprogramm an. Sie finden dort Angebote zur kostenlosen Erstberatung, hilfreiche Hinweise und finanzielle Zuschussmöglichkeiten unter dem Stichwort „GebäudeGrün hoch' auf der städtischen Homepage.
Der Bau des Schwammstadt-Modells erfolgte in Kooperation mit
- der P3-Schreinerei (gemeinnützige Werkstatt),
- der Gärtnerei Vonderstrass und der Freiburger Zukunftsakademie.
Noch viel mehr Infos zur Schwammstadt in Freiburg findet ihr unter:
www.schwammstadt-freiburg.de
Jetzt in fünf Punkten konkrete Beispiele und die wichtigsten Informationen, die uns bei dem Spaziergang mitgeteilt wurden.
1- Bäume: Baumscheiben sollten vergrößert werden. Warum? In der Stadt hat ein Baum eine durchschnittliche Lebenserwartung von 43 Jahren. Damit ein Baum alt werden kann, sollte sein Wurzelraum so groß wie das Volumen der Baumkrone sein. Ältere Bäume können einen größeren Beitrag zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz leisten. Bäume verdunsten über ihre Blattoberfläche pro Tag eine große Menge Wasser - großkronige Bäume verdunsten an heißen Tagen mehr als 200 Liter. So wirken Bäume wie natürliche Klimaanlagen. Der Baumbestand ist deshalb am wichtigsten für die Schwammstadt.
Was können wir als Einzelpersonen schon heute und jeden Tag tun, um unseren Stadtbäumen etwas zu helfen? Nicht auf Baumscheiben treten und keine Fahrräder darauf parken, damit die Erde lockerer bleiben kann.
![]() | ![]() | ![]() |
Wir brauchen nicht nur viele alte Bäume, sondern auch Arten, die die Stadt besonders gut abkühlen können. Platanen haben ein spezielles Wurzelsystem und eignen sich dafür wunderbar.
2- Bodenbeläge: Es sei kompliziert, Alternativen zu Asphalt zu nutzen.
Bei dem abgebildeten Belag zum Beispiel sollte die Erde alle zwei Jahre gerüttelt werden, damit sie wieder Regenwasser aufnehmen kann. Pflasterung ist auch schwierig für die Barrierefreiheit. Ein Boden ohne Pflaster braucht nach dem Umbau vier Wochen Ruhezeit. Menschen warten nicht so lange, bevor sie eine gesperrte Stelle wieder betreten, deshalb greifen Städte nicht zu dieser Lösung.
Die Stadt Bern, unter anderen, erprobt, wie wasserdurchlässige Flächen gestaltet und angelegt werden können:
https://www.derbund.ch/schwammstadt-bern-so-will-bern-die-quartiere-abkuehlen-597453296074
3- Straßenbau: Sehr lange wurden Straßen so gebaut, dass der Höchstpunkt der Straße in der Mitte lag. So fließt aber bei Starkregen das Wasser in die Keller, die überflutet werden. Baumscheiben dafür sind so umringt, dass sie das Regenwasser nicht aufnehmen können. Wenn der Tiefstpunkt der Straße in der Mitte ist, fließt das Wasser direkt in die Kanalisation. Wenn es sich staut, wirkt die Straße dann wie ein Rückhaltebecken.
|
|
4- Fassadenbegrünung: Manche Arten Fassadenbegrünung sind extrem aufwändig und deren Anschaffung und Wartung sehr teuer. Eine effiziente und einfache Lösung bietet das Stühlinger-Modell. Blauregen braucht wenig Platz für seine Wurzeln, ist einfach zu pflegen und verursacht keine Schäden an Gebäuden.
|
|
5- Die Finanzierung der Schwammstadt muss langfristig gedacht werden. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe für Klimaschutz und Klimaanpassung. Wir brauchen keine kurzfristige Förderprogramme, sondern eine Bundesweite Schwammstadtpolitik.
Diskussion: Und was denkt ihr vom Platz der alten Synagoge? Es sei so gestaltet worden, damit große Veranstaltungen stattfinden und dabei Fluchtwege gesichert werden können. Gäbe es trotzdem Möglichkeiten, ihn grüner zu gestalten? Am Beispiel Rathausplatz in Paris?


