Schleswig-Holstein ist Vorreiter bei digitaler Souveränität, doch die genutzte Suchmaschine wird für die Mitarbeiter des Landes vorbestimmt.
Nutzt man als Mitarbeiter des Landes den Browser Microsoft Edge, wird Bing voreingestellt. Nutzt man Firefox, wird Google als Standard vorinstalliert. Es gibt nur extrem wenige Ausnahmen.
Edge nutzt seine Macht durch die hohe Anzahl an Windows-Geräten zur Unterstützung der hauseigenen Suchmaschine und Firefox bekommt von Google viel Geld, damit Google Standard bleibt. Das heißt: Nicht der Nutzer, nicht das Land entscheiden über die standardmäßig eingestellte Suchmaschine, sondern ein US-Konzern. Das hat mit digitaler Souveränität nichts zu tun.
Die EU gibt zwar vor, dass Nutzer gefragt werden müssen, welche Suchmaschine eingestellt werden soll, aber der Nutzer ist in dem Fall das Land und nicht der einzelne Mitarbeiter des Landes.
Bildungsministeriums SH: "Für 60 Geräte gilt, dass die Nutzerinnen und Nutzer bei der Ersteinrichtung gefragt werden. Für die übrigen [33.856] Geräte [bei denen keine Standardsuchmaschine vorgegeben wird] erfolgt keine Aufforderung zur Auswahl der Suchmaschine beim ersten Start, da die Ersteinrichtungsassistenten der vorinstallierten […] per Richtlinie [vom Land] deaktiviert sind."
Mitarbeitende des Landes nutzen also meist eine Suchmaschine wie Google. Eine Sekunde auf Google verursacht 510,49 kg CO₂, die kompensiert werden müssten. 23 Bäume/Stunde müssten gepflanzt werden, um die verursachten Emissionen wieder wettzumachen. Die Daten sind zwar alt, Experten gehen aber mittlerweile von einer massiven Steigerung des Energieverbrauchs von Google aus.
Google kompensiert mittlerweile und nutzt auch erneuerbare Energien, aber wird damit seiner großen Verantwortung nicht gerecht: Es hätte aber die finanziellen Möglichkeiten, die Klimakrise aktiv zu bremsen. Stattdessen hat sich Google gerade erst von der bislang angestrebten Klimaneutralität verabschiedet. Es gibt Alternativen, die deutlich nachhaltiger und gemeinwohlorientierter arbeiten: Ecosia oder Goodsearch zum Beispiel. Die Gewinne dieser Suchmaschinen werden dafür genutzt, soziale und ökologische Projekte weltweit zu unterstützen. Dadurch ist Ecosia klimapositiv und hat auf anerkannte Weise Millionen Bäume gepflanzt.
Ecosia nutzt den Suchindex von Google/Bing, entwickelt aber zusammen mit einer französischen Suchmaschine den ersten europäischen Suchindex, um die Abhängigkeit von US-amerikanischen Unternehmen zu reduzieren.
Wir fordern: SH möge den Weg zur digitalen Souveränität umsetzen und deswegen – wie Brandenburg, Niedersachsen und Kiel – eine anerkannt gemeinwohlorientierte Suchmaschine als Standardsuchmaschine in jedem Browser auf allen Geräten des Landes einrichten. Nachhaltigkeit bei der Suchmaschinenwahl sollte kein Bonus, sondern eine technische Voraussetzung sein für ein Land, das zu den Klimazielen steht. Eine entsprechende Bundesratsinitiative (Ecosia auf Bundesebene) sollte zusätzlich initiiert werden.
Digitale Souveränität durch nachhaltige und europäische Suchmaschine
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