Mercosur: Billigfleisch für alle?

Janina Hornig Greenpeace Ortsgruppe • 29 August 2021
Mastschwein im Käfig

Greenpeace Mannheim-Heidelberg machte am Samstag, den 28. August auf dem Heidelberger Universitätsplatz auf die gravierenden Nachteile des EU-Mercosur-Abkommens aufmerksam. Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Der politische Abschluss erfolgte im Juni 2019, womit eine vorläufige Anwendung des Abkommens möglich ist.
Das Abkommen sieht Zollsenkungen bis auf 0 % vor, wobei die südamerikanischen Staaten hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte wie Rind- und Hühnerfleisch, Soja und Bioethanol aus Zuckerrohr in die EU verkaufen - alles Produkte, die die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes zur Folge haben und deren Exporte sich durch eine Ratifizierung des Abkommens drastisch erhöhen würden. Die europäischen Staaten verkaufen dagegen industriell hergestellte Produkte wie Autos mit Verbrennermotor und Pestizide in den Mercosurraum, darunter sehr viele Agrargifte, die in der EU aus gutem Grund verboten sind, weil sie hochgefährlich für Mensch und Artenvielfalt sind. Das Abkommen wäre eine Katastrophe für das Klima, die Biodiversität und uns Menschen - nicht nur in Südamerika.
Die wirtschaftlichen Gewinner des Abkommens sind somit die EU-Staaten sowie internationale Konzerne; das Abkommen zielt nicht darauf ab, Kleinbauern oder mittelständische Betriebe in den Mercosur-Ländern zu stärken.

Fachleute warnen, dass der Amazonas nur noch 10 bis 20 % seiner Fläche verlieren dürfe, sonst kollabiere er komplett und verwandele sich in eine Trockensavanne - mit verheerenden Auswirkungen auf das Weltklima und die Artenvielfalt.

Mit kleinen Sketchen stellten die Greenpeace-Aktiven den Zusammenhang zwischen unserem Fleischkonsum, der Fütterung europäischer Masttiere mit billigem Soja aus Südamerika und der dramatischen Zerstörung der letzten Regenwälder in Südamerika dar, akustisch untermalt mit Geräuschen von Motorsägen, brennenden Wäldern und herunterkrachenden Urwaldriesen. Teil der Szenerie war unter anderem ein "Schwein" in einem Käfig, der zeigt, wie viel Platz ein Mastschwein in deutschen Industrieställen zur Verfügung hat.

Eine Brasilianerin und ein Brasilianer, der mit Indigenen aus dem Amazonas arbeitet, besuchten die Aktion und bekundeten ihre große Dankbarkeit darüber, dass Greenpeace sich mit dem Thema beschäftigt. Die indigenen Gruppen wären die Hauptleidtragenden, falls das Abkommen Wirklichkeit würde. Sie leben vom Wald und schützen ihn, werden aber durch die Zerstörung ihres Lebensraumes in Armut und Verelendung getrieben - oder, wenn sie sich gegen die Abholzungen zur Wehr setzen, ermordet. Die Morde gehen fast immer straffrei aus. 

Greenpeace Mannheim-Heidelberg macht deutlich: Dieses Abkommen wäre ein großer Fehler und darf auf keinen Fall von den EU-Staaten ratifiziert werden. Der Erhalt der Regenwälder ist die günstigste Methode, das globale Klima zu schützen.

Dateien