Serie "Naturnahe Gärten": Moderner Bauerngarten in Billigheim

Janina Hornig Greenpeace Ortsgruppe • 15 August 2021
Bauerngarten der Familie Gehring

In den letzten Jahren ist die Tendenz deutlich hervorgetreten, möglichst viele versiegelte Stellplatzflächen zu schaffen, nur wenige Pflanzen einzusetzen (häufig auch Exoten wie Bambus) und den Garten ordentlich und pflegeleicht zu gestalten. So auch in Billigheim im Odenwald, wo Neubauten von artenarmen Gärten mit zugepflasterter oder asphaltierter Fläche begleitet werden. Dabei nimmt einem die Natur, wenn man mit ihr umzugehen und sie zu nutzen versteht, schon einen Großteil der vermeintlichen Arbeit ab.

Aus diesem Grund haben wir unsere neue Serie "Naturnahe Gärten" ins Leben gerufen, die Gartenbesitzern die Naturverbundenheit näherbringen soll. Wir haben Leitlinien entwickelt, die die wichtigsten Punkte dafür zusammenfassen:

  • Bereitstellung von Futtermöglichkeiten für Insekten und Vögel (z. B. früh- und spätblühende Blütenpflanzen, einheimische Arten)
  • Bereitstellung von unterschiedlichen Lebensräumen (z. B. Anlage einer Kraut-, Strauch- und Baumschicht, Reisighaufen für Kleinsäuger wie Igel)
  • Förderung der Bodenqualität durch den Aufbau einer Humusschicht, sowie Schutz des Bodens (z. B. Beschattung des Bodens durch Bäume und Sträucher, selteneres Mähen)
  • Rückführung des organischen Materials in den Boden (z. B. Bedeckung der Bodenfreiflächen mit zerkleinertem Pflanzenmaterial aus dem Garten, Kompostierung)
  • Verzicht auf Pestizide jeglicher Art (vor allem zur Vermeidung des Insektensterbens).

Auf diese Weise wird die biologische Vielfalt gefördert. So kann in seinem eigenen Garten jeder Einzelne zum Umwelt- und Klimaschutz mit beitragen. Ein schattiger Garten mit vielen verschiedenen Blütenpflanzen bietet Kleinsäugern, Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum und sorgt für eine temperatur- und feuchtigkeitsausgleichende Wirkung. Dies wird besonders in den Innenstädten im Zuge des Klimawandels zukünftig von Vorteil sein. Ein richtig bepflanzter Garten heizt sich deutlich weniger auf als eine Kiesfläche oder auch nur gewöhnlicher Rasen!

Der Garten der Familie Gehring in Billigheim ist ein Musterbeispiel für naturnahe Gestaltung und erinnert an die alten Bauerngärten von früher, in denen es noch selbstverständlich war, Nutz- und Ziergarten miteinander zu kombinieren.

Besonders zahlreich vertreten sind Kräuter und Stauden, zu denen unter anderem Odermennig, Nachtkerze, Wilde Möhre, Borretsch, Bohnenkraut, Salbei, Koriander und Johanniskraut gehören, um nur einige zu nennen. An einheimischen Sträuchern sind z. B. Hasel und Holunder im Garten zu finden. Des Weiteren hat Frau Gehring die unterschiedlichsten Obstbäume und -sträucher in ihrem Garten gepflanzt - Pflaume, Mirabelle, Himbeere, Johannisbeere, Jostabeere usw. Beim Kauf ihres Apfelbaums hat sie eine alte, einheimische Sorte gewählt, die den Namen „Jakob Lebel“ trägt. Auch die Felsenbirne stellt einen wertvollen Obstbaum dar, der gern von Vögeln angenommen wird und auch den Menschen schmackhafte Früchte liefert.

In diesem Garten wird, falls überhaupt nötig, nur mit Pflanzenjauche gedüngt. Wenn eine Pflanze von Schädlingen befallen ist, sucht Frau Gehring ebenfalls nach natürlichen Alternativen zur Bekämpfung, anstatt Pestizide zu spritzen. So hat sie zuletzt Schwebfliegenlarven als Nützlinge über einen Online-Versand bezogen, um gegen Läuse auf den Obstbäumen vorzugehen. Schädlingsbefall tritt allgemein bei hoher Biodiversität weniger stark auf, da sich ein Gleichgewicht in der Nahrungskette bildet.

Seit dem 1. August hängt ein Schild an Gartenzaun der Familie Gehring in Billigheim, das auf ihre Teilnahme am Projekt „Naturnaher, artenreicher Garten“ hinweist sowie die Projektleitlinien, deren konkrete Umsetzung im Garten und die Vorteile für den Klimaschutz kurz zusammenfasst, so dass jeder Passant sie sehen kann. Bleibt zu hoffen, dass sich mehr Menschen in Billigheim ein Beispiel am Garten der Familie Gehring nehmen werden, wenn sie die Schönheit, Vielfalt und die Vorteile dieses Gartens für das Gemeinwohl erkennen!

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