Serie "Naturnahe Gärten": Vogel- und Insektenparadies in der Wielandtstraße

Janina Hornig Greenpeace Ortsgruppe • 12 September 2021
Sukkulenten im Grünen

Stell dir folgende Szene vor: Du wohnst in einem Mehrparteienhaus mit großem Garten, und möchtest dich gerne für die Umwelt engagieren. Du willst mit deinem Garten die Biodiversität in den Städten erhöhen und für die Verbesserung des innerstädtischen Wohnklimas sorgen. Nun ist aber eine dichte Vegetation nicht jedermanns Geschmack und eine gewünschte, hohe Biodiversität ist auf den ersten Blick für Außenstehende nicht immer gleich als solche erkennbar, sondern wirkt ungeordnet - auch wenn sie anfänglich durchaus Arbeit erfordert.

Wie können wir als Umweltschutzorganisation engagierte Einzelne hier unterstützen? Die Antwort darauf ist: mit einem Projekt, das Menschen naturnahes Gärtnern näherbringen soll. Einerseits erhalten Gartenbesitzer Anerkennung für ihre bereits umgesetzten Naturschutzmaßnahmen; andererseits zeigt das von Greenpeace Mannheim-Heidelberg für den Garten verliehene Schild Passanten, dass der/die Gartenbesitzer*in hier keinesfalls Vernachlässigung walten ließ, sondern einen wichtigen Beitrag zum lokalen Natur- und Klimaschutz leistet.

Für die Teilnahme am Projekt „Naturnaher, artenreicher Garten“ haben wir Leitlinien entwickelt, die die wichtigsten Punkte für naturnahes Gärtnern zusammenfassen:

  • Bereitstellung von Futtermöglichkeiten für Insekten und Vögel (z. B. früh- und spätblühende Blütenpflanzen, einheimische Arten)
  • Bereitstellung von unterschiedlichen Lebensräumen (z. B. Anlage einer Kraut-, Strauch- und Baumschicht, Reisighaufen für Kleinsäuger wie Igel)
  • Förderung der Bodenqualität durch den Aufbau einer Humusschicht, sowie Schutz des Bodens (z. B. Beschattung des Bodens durch Bäume und Sträucher, selteneres Mähen)
  • Rückführung des organischen Materials in den Boden (z. B. Bedeckung der Bodenfreiflächen mit zerkleinertem Pflanzenmaterial aus dem Garten, Kompostierung)
  • Verzicht auf Pestizide jeglicher Art (vor allem zur Vermeidung des Insektensterbens)

Auf diese Weise wird die biologische Vielfalt gefördert. So kann in seinem eigenen Garten jeder Einzelne zum Umwelt- und Klimaschutz mit beitragen. Ein schattiger Garten mit vielen verschiedenen Blütenpflanzen bietet Kleinsäugern, Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum und sorgt für eine temperatur- und feuchtigkeitsausgleichende Wirkung. Dies wird besonders in den Innenstädten im Zuge des Klimawandels zukünftig von Vorteil sein. Ein richtig bepflanzter Garten heizt sich deutlich weniger auf als eine Kiesfläche oder auch nur gewöhnlicher Rasen!

Im Vorgarten eines Mehrfamilienhauses in der Heidelberger Wielandtstraße wird die Humusbildung durch verrottendes Pflanzenmaterial zahlreicher Sträucher und Stauden gefördert. Fast alle dieser Pflanzen sind besonders geeignet als Nahrungspflanzen für Insekten und Vögel. So befinden sich 69 Insekten- und Vogelfutterpflanzen - sogenannte Nährhölzer - im Garten, die vom Frühjahr bis in den Spätherbst Nahrung bieten. In naher Zukunft soll es ein ganzjähriges Futterangebot geben. Es wachsen unter anderem Prachtkerze, Lavendel, Rossminze, Wilder Fenchel, Schlehe und Weißdorn, um nur ein paar zu nennen.

Auch Efeu ist ein wichtiger Bestandteil des Gartens. Efeu hat viele Vorteile für Insekten und Vögel, da die Pflanze als Spätblüher auch noch gegen Ende der Vegetationsperiode Insekten Nektar und Pollen liefert und Vögeln einen hervorragenden Unterschlupf für die Aufzucht ihrer Jungen bietet. Dank des Insektenreichtums sind viele Vögel am Tag und Fledermäuse in der Dämmerung zu beobachten. Außerdem wurde für die Herausbildung einer Naturwiese gesorgt, die nur zweimal im Jahr gemäht wird.

Eine Besonderheit ist der auf der kleinen Vormauer geschaffene Lebensraum für Sukkulenten, welche das Grundstück zum Bürgersteig hin abgrenzt. Hier wachsen Pflanzen, die gut mit Trockenheit zurechtkommen, da sie das Wasser in ihren dicken Blättern und Wurzeln lange speichern können. Ein auf Steinmauern häufiger Vertreter ist der Scharfe Mauerpfeffer, aber es wurden auch echte Raritäten gepflanzt.

Das von Greenpeace Mannheim-Heidelberg überreichte "Aushängeschild" wollen die Hausbewohner noch gut sichtbar anbringen. Das Schild weist auf die Teilnahme am Projekt „Naturnaher, artenreicher Garten“ hin, stellt die Projektleitlinien und deren konkrete Umsetzung im Garten dar, sowie kurz zusammengefasst die Vorteile für den Klimaschutz, so dass sie für Passanten direkt ersichtlich sind.

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