Waldpflegeaktion im Mühltal, vorerst leider ohne uns

Janina Hornig Greenpeace Ortsgruppe • 22 February 2022
Interview des SWR mit der Bürgerinitiative

Pressevertreter des SWR und der Rhein-Neckar-Zeitung waren diesen Monat zu Gast bei einer ersten Waldpflegeaktion im Rahmen des Beteiligungsprojektes im Handschuhsheimer Mühltal. Da sowohl wir als auch das Aktionsbündnis "Waldwende Heidelberg" sich aus dem Beteiligungsprojekt zurückgezogen haben (wie zuvor berichtet), haben wir vor Ort der Presse unsere Standpunkte erläutert, aber nicht am Projekt teilgenommen.
BUND und NABU führten gemeinsam mit dem Forstamt Heidelberg die Waldpflegeaktion durch, bei der sie Totholz auf eine ausgemagerte Buchenfläche zogen sowie auf den Weg gewehtes Laub zur Humusbildung wieder in den Waldbereich transportierten. Ursprünglich war dies ein Vorschlag des Aktionsbündnisses gewesen.

Das Projekt finden wir grundsätzlich nach wie vor gut, aber seine Grundlage ist die Vereinbarung zwischen Aktionsbündnis und Forstamt, welche nicht in allen Punkten eingehalten wurde. Um unsere Integrität zu wahren, sahen wir uns gezwungen, aus dem Projekt auszusteigen. Wir sind weiterhin an einer offenen Kommunikation und Kollaboration mit dem Forstamt interessiert und glauben, dass beide Seiten das Beste für den Wald wollen.

Die aus unserer Sicht klar verletzten Aspekte der Einigung sind folgende:

  • Es war schriftlich festgehalten worden, dass die Buchenbestände nicht ausgelichtet würden, dafür aber die Fichtenbestände - zwecks allmählichem Umbau in einen Laubwald. Der Abtransport der gefällten Stämme sollte mittels eines bodenschonenden Seilkrans erfolgen. Es war in einem Gespräch zwischen Diplom-Forstwirt Volker Ziesling (auf Seite des Aktionsbündnisses) und dem Leiter des Forstamts, Dr. Baader, vereinbart worden, dass Buchen, die der Seilkrantrasse im Weg stehen, gefällt werden dürfen, diese Bäume aber als Totholz im Bestand liegenbleiben sollten.
    Entgegen dieser Vereinbarung wurden gefällte Buchen aus dem Bestand gezogen und auf Polter gerückt.
  • Im Bereich der Feuchtbiotope wurden sehr viele Bäume gefällt, obwohl ein Handschuhsheimer Bürger, der diese Biotope seit Jahrzehnten betreut, bei einer gemeinsamen Begehung mit den Förstern ausdrücklich erläutert hatte, dass Amphibien (Feuersalamander, Kröten und Frösche) sich im Herbst in den umliegenden Waldbestand zurückziehen, der somit die Funktion eines Biotopschutzwaldes hätte. Hier war uns ausdrücklich zugesichert worden, dass im Bereich der Biotope keine Fällungen geplant seien.
  • Als dritten Bruch der Vereinbarung sieht das Aktionsbündnis die umfangreichen Fällungen am Wiesenrand, obwohl hier nur sehr restriktiv und nur aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden sollte.

Was wir positiv hervorheben möchten, ist, dass die Buchenbestände tatsächlich nicht durchforstet wurden. Hier hat das Forstamt sein Versprechen gehalten und wir können durchaus von einem Teilerfolg sprechen. 

Unsere klare Forderung ist, dass die Laubbaumbestände im Mühltal dauerhaft vor der Säge geschützt werden. Dies hat uns das Forstamt bis heute nicht zugesichert. Waldpflegeaktionen des Buchenbestandes mit mühevoller Pflanzung von Baumsämlingen aus anderen Bereichen des Waldes und gezieltes Anhäufen von Totholz in diesen besonders wertvollen Bereichen scheint uns nämlich wenig lohnend, wenn dieser Bestand möglicherweise in einigen Jahren doch wieder durchforstet wird.