15.10.: Greenpeace Saar gegen Ernährungskrise

Michaela Couturier Greenpeace Ortsgruppe • 12 Oktober 2022
in der Gruppe Greenpeace Saar
Ökologische Landwirtschaft

Am Samstag, 15.10. informiert Greenpeace Saar von 13 - 16 Uhr vor dem Karstadt in Saarbrücken über die Verschwendung von Weizen für Tank und Trog:

  • Die Ukraine ist der 5-größte Weizenexporteur der Welt. Etwa 16 Mio t Getreide gehen jährlich über die Landesgrenze, meist Richtung Nordafrika und Naher Osten. Auch in Länder, in denen Menschen bereits vom Hunger bedroht sind.
  • „Die europäischen Länder erzeugen auf ihren Äckern bereits Spitzenerträge, die sich kaum mehr steigern lassen“, erklärt Stephanie Töwe, Expertin für Landwirtschaft bei Greenpeace. „Noch intensiver zu wirtschaften, auf mehr Flächen Dünger und Pestizide einzusetzen, verschärft nur die ökologischen Probleme.
  • Die Ziele im Kampf gegen die Klimakatastrophe und das Artensterben aus dem Blick zu verlieren, birgt jedoch Risiken für die Landwirtschaft und die sichere Versorgung mit Lebensmitteln in der Zukunft. So ist es wenig hilfreich, wenn die EU-Kommission beabsichtigt, für den Naturschutz stillgelegte Flächen wieder landwirtschaftlich zu nutzen. Denn bei diesen Flächen handelt es sich vorrangig um Standorte, die nur ein geringes Ertragspotenzial haben. Für den Naturschutz jedoch sind sie bedeutsam: Sie speichern CO2 und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsort.
  • „Die Ernährungssicherheit hängt von funktionierenden Ökosystemen ab. Deshalb ist Naturschutz kein Luxus. Der Krieg in der Ukraine führt uns vor Augen, was Ernteausfälle bedeuten, die künftig durch die Klimakrise häufiger werden.
  • Die EU produziert jährlich 160 Mio t Getreide für die Fütterung von Tieren in der Landwirtschaft. Würden nur 10 % weniger Tiere gehalten und gefüttert, wäre das ausreichend, um einen erheblichen Teil der zu erwartenden Ausfälle ausgleichen zu können. Denn die Ukraine führte in den vergangenen Jahren 16 - 20 Mio t aus. „Dafür müsste die EU eine gewisse Anzahl an Ställen bewusst leer stehen lassen“, sagt Töwe. „Die betroffenen Landwirt:innen müssten dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten.“
  • In Deutschland ließen sich 80 % des angebauten Weizens für die Ernährung etwa zum Brotbacken verwenden. Aber 60 % der gesamten Ernte, 25 Mio. t, landen im Futtertrog von Tieren (s. angehängte Graphik), weitere 8,9 % werden zu Biokraftstoffen verarbeitet. Lediglich 20,1 % der Weizenernte dienen der Erzeugung von Lebensmitteln. 
  • Getreide und  Ölfrüchte werden zu Biosprit verarbeitet: 2/3 der Rapsernte oder 12 l Rapsöl /Kopf und Jahr enden in Deutschland als Beimischung zu Benzin und Diesel in den Tanks von Autos mit Verbrennungsmotor. Damit könnte rund 2/3 des Pro-Kopf-Verbrauchs von Speiseöl gedeckt werden. Statt Rapsöl weiter zu verfeuern, sollte der wertvolle Agrarrohstoff eingesetzt werden, um knapper werdendes Sonnenblumenöl zu ersetzen. Denn neben Weizen führt die Ukraine im wesentlichen Sonnenblumenöl aus.
  • Und inzwischen ist klar, dass die Klimabilanz von "Biosprit" mit der massiven Ausdehnung der Anbauflächen deutlich negativ ausfällt. Das gilt insbesondere, wenn die indirekten Emissionen berücksichtigt werden, die etwa entstehen, wenn Flächen für die Biokraftstoffproduktion erschlossen und dabei andere landwirtschaftliche Aktivitäten verdrängt werden. So weichen Rinderzüchter in Brasilien in Waldgebiete aus, weil ihre vorherigen Weidegebiete als neue Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr für die Biokraftstoffproduktion genutzt werden.  

Kommt und unterstützt unsere Forderungen:

  • ab sofort keinen Weizen mehr in den Tank !
  • zügige Reduktion der Tierzahlen !