EZB torpediert Klimaschutz

Tomma Wagner Greenpeace e.V. • 21 October 2020

Unsere neue Studie zeigt, wie die Europäische Zentralbank mit ihren Anleihekäufen vor allem klimaschädliche Unternehmen begünstigt

Welche Rolle sollen Klimarisiken zukünftig bei der Geldpolitik der Notenbanken spielen? Diese Frage warf ausgerechnet Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), in den Raum und sorgte für einige Aufregung in der Branche. Und tatsächlich profitieren von den aktuellen Anleihekäufen der EZB bisher vor allem die Sektoren mit schlechtem CO2-Fußabdruck wie fossile Energien oder kohlenstoffintensiver Transport – echter Klimaschutz wird so untergraben. Das zeigt eine neue Studie von Greenpeace gemeinsam mit der New Economics Foundation, der SOAS University of London, der University of the West of England und der University of Greenwich. Die Autor*innen kommen zu dem Ergebnis:

  • Weit mehr als die Hälfte der von der Europäischen Zentralbank (EZB) erworbenen Unternehmensanleihen (63 Prozent) stammt aus wenigen Sektoren, die mit ihrem CO2-Ausstoß massiv zur Klimakrise beitragen. 
  • Die ökologische Unwucht der getätigten EZB-Käufe fällt noch schwerer ins Gewicht, wenn man den Beitrag der begünstigten Sektoren zu Beschäftigung und Wertschöpfung betrachtet: 63 Prozent der von der EZB gehaltenen Anleihen stammen aus kohlenstoffintensiven Sektoren, die lediglich 18 Prozent zur Beschäftigung und 29 Prozent zur Bruttowertschöpfung in der Eurozone beitragen.

Eine ausführliche Zusammenfassung der Studie auf Deutsch findest du hier. Ausgangspunkt für die Analyse sind die von der EZB im Rahmen ihres Ankaufprogramms CSPP erworbenen Bestände an Unternehmensanleihen mit einem Umfang von 242 Milliarden Euro Ende Juli.