CCAMLR scheitert erneut!
Vom 21. Oktober bis 01. November 2019 tagte die „Internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis“ (CCAMLR). Ein Thema der kürzlich abgeschlossenen 38. Sitzung im tasmanische Hobart war weiterhin die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes (MPA) im antarktischen Wedellmeer. Bereits im letzten Jahr scheiterte der von Deutschland eingebrachte Vorschlag eines Schutzgebietes im Weddellmeer an den wirtschaftlichen Interessen Chinas und Russlands – trotz der Unterstützung des überwiegenden Teils der teilnehmenden Staaten und fast drei Millionen Antarktisschützer weltweit.
Auch die Ergebnisse der diesjährigen Verhandlungen lassen leider wenig Positives vermelden.
Obwohl sich unsere Ozeane in einem höchst bedrohlichen Zustand befinden und dringender Handlungsbedarf besteht, waren es wieder einmal wirtschaftliche (Fischerei-)Interessen einiger (weniger) Staaten, die den längst überfälligen Schutz im Südlichen Ozean und das Zustandekommen weiterer Meeresschutzgebiete verhinderten. Ein ernüchterndes Resultat – zeigt es doch, dass obwohl mehr Staaten als je zuvor die antarktischen Gewässer schützen wollen, einige wenige sich als Bremsklotz bei den angesichts des Klimawandels so wichtigen Entscheidungen erweisen. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass nun auch Norwegen den Schutzgebietsvorschlag zum Weddellmeer unterstützt. Als positive Randnotiz bleibt noch zu erwähnen, dass die Krillindustrie ihre letztjährige freiwillige Verpflichtung weiterführt. 2018 hatte der Branchenverband der Krillindustrie erklärt, in großen Gebieten rund um die antarktische Halbinsel auf Fischerei zu verzichten.
Frida Bengtsson von Greenpeace's Protect the Oceans Kampagne sagt dazu:
Trotz der Bemühungen vieler Mitglieder scheint die Antarktis-Kommission, wie die Gletscher auf dem Kontinent, rückwärts zu gehen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Fischerei im Südlichen Ozean jedes Jahr voranschreitet, während die Fortschritte bei der Einrichtung von Meeresschutzgebieten ins Stocken geraten. Die Antarktis-Kommission und ihr jahrzehntelanges Mandat zur Schaffung von Meeresschutzgebieten wird als Geisel genommen, weil einige Nationen ständig nach einer ständigen Ausweitung ihrer Fischerei streben, was zu einer Pattsituation im Falle eines Notfalls führt. Millionen von Menschen wollen den Schutz des Südlichen Ozeans und die Unfähigkeit der Kommission, dies Jahr für Jahr zu tun, stellt ihre Glaubwürdigkeit in Frage.
Dies war die erste Gelegenheit für Maßnahmen und politische Führung zum Schutz der Meere nach der Veröffentlichung des Sonderberichts des IPCC über Ozeane und Kryosphäre. Die Wissenschaft ist sich bewusst, dass die Bedrohungen für unsere Ozeane größer sind als je zuvor in der Geschichte der Menschheit, und dass die Gesunderhaltung unserer Ozeane für zukünftige Generationen dringende Maßnahmen erfordert - die drastische Reduzierung der Emissionen zur Eindämmung des Klimawandels und die Einrichtung von Meeresschutzgebieten zum Schutz der Natur. Die Ergebnisse der Sitzung lassen Zweifel an der Fähigkeit der Kommission aufkommen, sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Antarktis und ihrer Wildtiere zu ergreifen. Es ist klar, dass die derzeitige Polarpolitik nicht ausreicht, um die Dringlichkeit der Klimakrise, mit der wir konfrontiert sind, anzugehen.
Der Mangel an Fortschritten der regionalen Stellen zum Schutz unserer Ozeane macht die Forderung nach einem starken Weltmeervertrag noch stärker. Die Regierungen werden sich im Frühjahr 2020 treffen, um die Verhandlungen über einen Vertrag fortzusetzen, der alle Ozeane über die nationalen Grenzen hinaus abdeckt. Die Verhandlungen sind das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses und sollen 2020 abgeschlossen werden. Dieser Vertrag könnte den Weg zu einem Netz von Meeresschutzgebieten in mindestens 30 % der Weltmeere bis 2030 ebnen, was nach Ansicht von Wissenschaftlern unerlässlich ist, um die Tierwelt zu schützen und den Klimawandel zu bekämpfen."
Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace Deutschland kommentiert:
Es ist unerträglich, wie sich die Antarktis-Kommission trotz eines klaren Mandats Meeresschutzgebiete zu schaffen, Jahr für Jahr von einzelnen Bremserstaaten vorführen lässt. Die aktuellen Ergebnisse lassen große Zweifel an der grundsätzlichen Fähigkeit der Antarktis-Kommission aufkommen, sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Antarktis ergreifen. China und Russland sehen in schmelzenden Polkappen alleine größere Fischgründe, anstatt gemeinsam mit anderen Staaten dringend notwendige Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Angesichts einer sich beschleunigenden Klimakrise und eines unübersehbaren Artensterbens ist dies eine völlig inakzeptable Haltung. Es ist offensichtlich, dass die derzeitige Polarpolitik nicht ausreicht, um die Dringlichkeit der Klima- und Biodiversitätskrise im antarktischen Ozean anzugehen.
Mit einer schwachen Antarktis-Kommission kann nur ein starkes UN-Hochseeschutzabkommen die Meere wirksam schützen. Wenn das Abkommen im kommenden Frühjahr weiter verhandelt wird, muss es den Weg frei machen für ein weltweites Netz von Meeresschutzgebieten, die bis 2030 mindestens 30 Prozent der Weltmeere bedecken. Nur so lässt sich nach Ansicht von Wissenschaftlern das Leben im Meer bewahren und die Klimakrise effektiv bekämpfen.“