Die vorprogrammierte Ölpest

Lovis • 31 Juli 2020
in der Gruppe Themengruppe Meere

Auf arte lief heute die Dokumentation „Vergessene Wracks - Schwarze Tränen der Meere“ eine Produktion vom WDR 2017 in Kooperation mit arte (zu sehen noch bis zum 15.10 auf arte).  Sie schildert die Situation von leckenden Schiffswracks und untätigen Behörden, die die Augen vor der drohenden Katastrophe verschließen.

 

Die Biologin Dagmar Schmidt Etkin schätzt, dass knapp über 8500 gefährliche Wracks weltweit in unseren Meeren liegen. Ihre Studie aus dem Jahr 2004 zählte dabei nur große Schiffe mit Verbrennungsmotoren über 400 BRT und Tanker mit mehr als 150 Bruttoregistertonnen (BRT). 3/4 davon - 6338 - stammen aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese Wracks liegen nicht nur an den Schauplätzen der Seeschlachten, sondern auch entlang der Handelsruten und in Häfen. Dagmar Schmidt Etkins schätzt auf Grund der Größe der Schiffe und einer Betankung die zwischen 10 - 90% liegen kann, dass sich noch 2,5 - 20,5 Millionen Tonnen Öl in den Schiffen befinden.

Je nach Salzgehalt, Wassertemperatur und Tiefe in denen die Wracks liegen rosten die Stahlplatten unterschiedlich schnell - zwischen 0,5 und 2mm pro Jahrzehnt. Bereits ab 3 - 10 mm Schwund werden die Wracks nach Angaben von australischen Forschern instabil. Die meisten treten jetzt in eine kritische Phase ein und in 10 - 20 Jahren könnte eine Bergung des Öl unmöglich sein.

Das SINTEF, ein unabhängiges Forschungsinstitut in Norwegen, testete eine Probe Schweröl des Zerstörers Z 12 Erich Giese, der vor Narvik havarierte. Bei einem Test der Wellengang simuliert vermischte sich das Öl mit dem Meerwasser zu einer Emulsion. Das erschwert mögliche Bergungsversuche enorm. Auch roch die Probe ungewöhnlich stark. Weitere Forschungen ergaben, dass es in Deutschland während des Krieges zu Rohölengpässen kam und man stattdessen Öl aus Kohle herstellte. Dieses ist giftiger als andere Rohöle. Auch eine Probe aus der Danziger Bucht vom Schiff Stuttgart, die in Polen untersucht wurde, ergab eine 1000fache Überschreitung der dortigen Grenzwerte für krebserregende Stoffe im Meeresboden. Das Schiff verliert mittlerweile Öl und bei seiner Entdeckung im Jahr 1999 waren bereits 25.000km²  verseucht, aber die Ausbreitung rasant nimmt zu.   

Benedykt Hac vom Marineinstitut Danzig nimmt an, dass eine Bergung Hunderte Millionen Euro kosten würde, auch weiß man nicht wo die Masse entsorgt werden soll. Vielleicht wäre ein Sarkophag aus Sand für schätzungsweise 15-20 Millionen Euro die Lösung.

Als 2015 der Fischtrawler Oleg Naydenov vor Grand Canaria sank wurden über 1000 t Öl in einer Tiefe von 2700 m abgepumpt. Es kostete 30 Millionen Euro. Solche Aktionen sind möglich aber sehr teuer. Jim Elliot, ein ehemaliger US Offizier der Küstenwache und Präsident eines amerikanischen Bergungsunternehmens, betont aber das nur 10-25% des Öls bei einer Ölkatastrophe eingesammelt werden könnten.

Hinzu kommt das Fischer gern in der Nähe der Wracks fischen, da sich dort besonders viele in den riffähnlichen Strukturen aufhalten. Sie fressen das austretende Öl und somit landet es in unserer Nahrungskette.

Dieser Bericht hat mich zwar nicht besonders überrascht, aber sehr erschüttert wie dringend das Problem ist. In wie weit weiß Greenpeace darüber Bescheid? Gibt es Aktionen dazu?  Denn alle Versuche die Fischerei einzudämmen, nützen wenig wenn die Wracks innerhalb weniger Jahre lecken. Und was unternimmt die Politik? Im Bericht heißt es kein Land außer Norwegen tut etwas, aber es ist nicht nur die Natur ist betroffen, sondern auch Wirtschaftszweige wie die Fischerei, Tourismus und die Industrie. Wenn ich an eine Ölkatastrophe an der Elbmündung denke könnte selbst der Hamburger Hafen betroffen sein. Gibt es offizielle  Karten auf denen diese Wracks verzeichnet sind? Ist es möglich das Rohöl und Treibstoff aufzuarbeiten und weiter zu nutzen um mögliche Bergungen wirtschaftlicher zu machen? Was macht solche Bergungen so teuer? Kann man Fundraising betreiben um das Problem anzugehen? Kann man die Küstenbevölkerung mobilisieren und das Problem auf die Tagesordnung der Politik setzen oder muss man die Regierung sogar verklagen, angesichts der Probleme auf die wir zu steuern? Welche rechtlichen Grundlagen greifen hier? Würde ein Sarkophag aus Sand das Problem eines verseuchten Meeresbodens wirklich helfen oder nur zeitlich verschieben? Was passiert am Ende mit dem ausgebaggerten Material?