Eine neuerliche Chance für den Meeresschutz im Südpolarmeer?

Andrea Gieseke Greenpeace e.V. • 25 October 2021
in der Gruppe Themengruppe Meere

Eine neuerliche Chance für den Meeresschutz im Südpolarmeer
Ein »Netzwerk« von Schutzgebieten rund um die Antarktis soll das empfindliche Ökosystem vor den Folgen von Klimawandel und Überfischung bewahren. Aber zwei Länder sperren sich.

Am 18. Oktober startete das jährliche Treffen der Antarktis-Kommission (CCAMLR) in Tasmanien/ Australien.
Die Antarktis-Kommission ist ein Zusammenschluss aus 25 Regierungen und der EU, der ein Netzwerk aus Meeresschutzgebieten im Antarktischen Ozean errichten kann – man hatte sich darauf geeinigt, dass dies bis 2012 umgesetzt werden sollte.
Obwohl die massiven Klimaveränderungen bereits jetzt die „vereiste Welt“ in Gefahr bringen, ist der Prozess ins Stocken geraten. Es ist unbegreiflich, wie Regierungen sich Jahr für Jahr auf Fischereirechte einigen können, aber keine Einigung bei der Schaffung neuer Schutzgenbiete erzielt wird. Momentan sind drei Vorschläge für neue Meeresschutzgebiete auf dem Tisch.
2018 forderte Greenpeace im Zuge der „Protect the Antarctic“-Kampagne die Errichtung des weltweit größten Meeresschutzgebietes im Weddellmeer – und es hätte fast geklappt!
Vor einigen Wochen wurde im Rahmen einer Konferenz in Spanien das 30jährige Bestehen des Umweltschutzprotokolls gefeiert, das die Antarktis vor Öl- und Rohstoffabbau schützt. Aus dem Treffen resultierte die Madrid-Deklaration, in der 30 Regierungsstaaten ihre Unterstützung für antarktische Meeresschutzgebiete erklären. Im September schlossen sich Korea, Indien und die Ukraine den zwei bereits von der EU und ihren Mitgliedsstaaten, Norwegen, Australien, Neuseeland, Großbritannien, der USA und Uruguay eingebrachten Vorschlägen für Meeresschutzgebiete an; ein drittes Gebiet wird von Argentinien und Chile vorgeschlagen. So signalisiert nicht nur die Mehrheit der Mitgliedsstaaten ihre Unterstützung für diese Schutzgebiete, sie wollen diejenigen sein, die einen aktiven Anteil an den Vorschlägen haben.
Aber die Regularien der Antarktis-Kommission erfordern die Zustimmung aller Mitglieder – und das ist bislang nicht der Fall. Was das diesjährige Treffen ergibt, wird sich erst zeigen, wenn es vorbei ist, und Wunder können jederzeit passieren. Nichtsdestotrotz sieht es nicht so aus, als wenn nächsten Freitag große Erfolgsmeldungen bekannt gegeben werden.

Greenpeace Deutschland ist im regelmäßigen Austausch mit dem deutschen Kommissar. Er teilt die Ansicht, dass in diesem Jahr nicht viele Erfolge zu feiern sind, wenn das Treffen so weitergeht, wie es momentan der Fall ist. Aber er blickt erwartungsvoll auf das Treffen im nächsten Jahr, das dann hoffentlich wieder persönlich in Hobarth stattfindet, und auf die deutsche Delegation mit einem starken (grünen) Mandat, um das Weddellmeer-Schutzgebiet zu verwirklichen.