Fangmengen für das Jahr 2022 in Nordsee und Nordostatlantik mit Greenpeace Kommentar

Andrea Gieseke Greenpeace e.V. • 15 December 2021
in der Gruppe Themengruppe Meere

 

Fangmengen für das Jahr 2022 in Nordsee und Nordostatlantik mit Greenpeace Kommentar

Am 14.12. verhandelten die EU-Länder über Stunden über künftige Fangmengen im Atlantik, der Nordsee und weiteren Meeren.

Leider wird die Fangquote für Kabeljau in der Nordsee auch 2022 außerhalb sicherer biologischer Grenzen liegen. Außerdem wird es keinen Fangstopp für Kabeljau im Kattegat geben. Das haben die EU-Fischereiminister:innen am 14.12. in Brüssel beschlossen. Die Entscheidung folgt damit wieder nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen des Rates für Meeresforschung. Es kommentiert Greenpeace-Meeresbiologin Sandra Schöttner:

„Diese Entscheidung kommt einem Todesurteil für den Kabeljau in der Nordsee und im Kattegat gleich. Statt einer dringend nötigen Kursänderung stimmen die Fischereiministerinnen und -minister der EU dafür, die Fischbestände auch im kommenden Jahr weiter rücksichtslos zu plündern in bewusster Missachtung aller Warnungen der Wissenschaft. Im EU-Fischereirat haben sich erneut die kurzfristigen Interessen der großen Fischereikonzerne durchgesetzt, deren Hochseetrawler häufig auch unter deutscher Flagge fahren. 

Laut Koalitionsvertrag will sich die neue Bundesregierung in der EU für den Erhalt der Fischerei an unseren Küsten einsetzen. Fangquoten sollen fair und auf wissenschaftlicher Basis zugeteilt werden. Davon ist aber heute nichts zu spüren. Die Fischbestände in Nord- und Ostsee schwinden dramatisch deswegen muss sich der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir dringend und unmissverständlich für eine Kursänderung einsetzen, um das ignorante Fangquoten-Geschacher aufzuhalten. Nur so hat das Leben in unseren Meeren eine Zukunft.“

Die Verhandlungen um die Fangquoten sind traditionell umkämpft. Neben der Nordsee geht es auch um Teile des Atlantiks, das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Das Treffen der EU-Ministerinnen und Minister, die die Fangmöglichkeiten verhandeln, hatte bereits am Sonntag offiziell begonnen. Die Nacht zu Dienstag wurde durchverhandelt.

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen für bestimmte Gewässer fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweiligen nationalen Fangmengen. Grundlage der Verhandlungen ist eine Vorlage der EU-Kommission, die in erster Linie auf wissenschaftlichen Empfehlungen beruht. Viele Fischbestände befinden sich in einem schlechtem Zustand.

So hatten sich die EU-Kommission im Namen der EU-Staaten mit Norwegen bereits am Wochenende darauf geeinigt, die Fangmengen für Hering im Skagerrak, nördlich von Dänemark, deutlich zu reduzieren. Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) begrüßte dies am Montag den 13.12. bereits. Denn einem dortigen Bestand geht es ökologisch besonders schlecht. Er wandert zwischen Ostsee und Skagerrak. Eine Einigung zu Fangmengen für gemeinsam vom Vereinigten Königreich und der EU genutzten Beständen steht noch aus.

Im Oktober war deswegen beschlossen worden, dass er in der westlichen Ostsee nur noch in Ausnahmen gefangen werden darf. Zwischenzeitlich war befürchtet worden, dies könnte genutzt werden, um ihn stärker in weiter nördlichen Gewässern zu fangen.