Forscher fordern Ende von Dorsch-und Heringsfang in der Ostsee

Andrea Gieseke Greenpeace e.V. • 21 Oktober 2020
in der Gruppe Themengruppe Meere

Entgegen der jetzigen Fangquotenregelung in der Ostsee fordern Forscher ein

vorläufiges Ende für den Fang von Dorsch und Hering

Forscher des Kieler Geomar Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung haben eine vorübergehende Einstellung der Fischerei auf Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee gefordert. Die Forscher berufen sich auf Untersuchungen zum Zustand und Laicherfolg von Dorsch und Hering im Frühjahr, bei denen sie mit Berufsfischern in der Kieler Förde zusammengearbeitet haben. Demnach sind die Bestände von Dorsch und Hering nach Jahrzehnten der Überfischung so klein, dass sie während der Laichzeit nicht mehr ihr ganzes Laichgebiet mit Eiern versorgen können, wie Geomar am Mittwoch mitteilte.

Nach Ansicht der Forscher sind die kleinen Bestände zudem extrem schlecht auf den Klimawandel vorbereitet. Der ungewöhnlich warme Winter habe die meisten Fische dazu veranlasst, zu früh abzulaichen, bevor genügend Nahrung für die Larven vorhanden war. Diese hätten zudem mit Rippenquallen um das Plankton als Futter konkurriert. «Wir hatten noch in keinem Jahr so viele Rippenquallen in unseren Proben wie jetzt», sagte Meeresbiologin Catriona Clemmesen. «Alle Anzeichen deuten daher darauf hin, dass es in diesem Jahr bei Dorsch und Hering keinen Nachwuchs geben wird.»

Die Forscher schlagen deshalb eine Einstellung jeglicher Fischerei auf Dorsch und Hering vor, bis die Bestände wieder größer sind. «Es kann nicht angehen, dass wir jetzt die letzten Dorsche und Heringe wegfangen», sagte Thorsten Reusch. Die Fischer und die Wissenschaftler haben sich mit ihren Beobachtungen an Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gewandt.