Tempolimit

Simone Knorr @Greenpeace e.V. • 19. Februar 2020
Fahrradfahrer*in überholt SUV

Verkehrte Welt beim Tempolimit

Seit 2019 beteiligt sich Greenpeace an einem breiten Bündnis für ein Tempolimit von 30 km/h innerstädtisch, 80 km/h außerorts und 120 km/h auf Autobahnen. Dafür sprechen neben einem Stadtbild, in welchem die dominierenden Akteure nicht mehr Autos sind, mindestens zwei Gründe:

  • die Rettung von Menschenleben
  • der Klimaschutz

Denn Autos nehmen nicht nur Platz weg und sorgen für einen erhöhten Lärmpegel, sondern stoßen eine große Menge klimaschädlicher Emissionen aus. Durch ein Tempolimit könnten laut dem Umweltbundesamt die CO2-Emissionen jährlich um 1,9 bis 5,4 Millionen Tonnen reduziert werden. Auch die Sicherheit der Menschen ist im Straßenverkehr bisher nur mäßig gegeben. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland 2719 Verkehrstote. Das ist kein Wunder wenn man bedenkt, dass der Zusammenstoß mit einem 50 km/h schnellen Auto vergleichbar mit dem Aufprall eines Sturzes aus dem 3. Stock ist. In diesem Artikel von Katja Diehl werden die Gründe für ein Tempolimit noch ausführlicher beschrieben.

Mit der großflächigen Einführung von Tempo 30 in Paris wurde in Frankreich nun ein wichtiger politischer Schritt für die Verkehrswende gegangen. In Deutschland steht diese Entscheidung weiterhin aus. Auf politischer Ebene konnte hier ein allgemeines Tempolimit trotz einiger Versuche noch nicht umgesetzt werden.

Greenpeace-Aktivisten stellen Verkehrsschilder an der Autobahn bei München auf. Die Aktivisten fordern ein generelles Tempolimit von 120 km/h in Deutschland, das den C02-Ausstoss reduziert und zum Klimaschutz beiträgt.
Bereits 2007 forderte Greenpeace eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit. Damals stellten Greenpeacer an deutschen Autobahnen Verkehrsschilder mit „120 km/h Höchstgeschwindigkeit – Klimaschutz“ auf.

 

  • Ein kurzer Rückblick: Am 17. Oktober 2019 scheiterte ein Antrag der Grünen-Fraktion über ein Autobahn-Tempolimit im deutschen Bundestag. Trotz des Unwillens der Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat sprach sich Ende des vergangenen Jahres eine klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung für ein Tempolimit aus. Die Versicherungswirtschaft schlug einen Großversuch zum Tempolimit und dem damit verbundenen Sicherheitspotential vor. Ähnlich forderte auch der Verkehrsgerichtstag im Januar eine ausführliche wissenschaftliche Untersuchung zum Tempolimit auf Autobahnen. Ende Januar 2020 war schließlich sogar der Allgemeine Deutsche Automobil-Club von seinem strikten Nein zum Tempolimit abgerückt. Nachdem auch der Umweltausschuss eine Empfehlung für eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen aussprach, kam es am 14. Februar 2020 zu einer Abstimmung im Bundesrat. Auch diesmal konnte sich das Tempolimit auf politischer Ebene nicht durchsetzen, da es insbesondere durch die Union blockiert wurde.

Eine neue Chance fürs Tempolimit könnte es nun mit der kommenden Bundestagswahl geben. Da sich fast alle Parteien in ihren Wahlprogrammen zum Thema Tempolimit positionieren, ist das Thema diesmal besonders präsent. Vor allem durch die Möglichkeit der schnellen und nahezu kostenlosen Umsetzung erscheint die Einführung eines Tempolimits auf politischer Ebene grundsätzlich geeignet. Auch wenn die Umsetzung eines allgemeinen Tempolimits ein Schritt in die richtige Richtung wäre, müssten weitere politische Maßnahmen getroffen werden. Die effizienteste Maßnahme zur Reduktion von CO2-Emissionen im Verkehrssektor wäre weiterhin ein Verbrenneraus.

In einer aktuellen Umfrage des Umweltbundeamts für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zum Umweltbewusstsein der deutschen Bevölkerung 2020, ist die Mehrheit der Befragten für die Umsetzung eines Tempolimits von 130 km/h auf deutschen Autobahnen. Trotzdem ist auf politischer Ebene bisher nichts passiert, verkehrte Welt - oder?Aufkleber Tempolimit

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