“Ihr Deutschen müsst Druck auf eure Regierung ausüben, das Abkommen nicht zu unterzeichen!"

Jan-Patrick Behrend Greenpeace Ortsgruppe • 24 September 2020
Auf dem am späten Abend nicht mehr ganz scharf gekriegten Bild: Michael Kegler, Übersetzer der brasilianischen Autoren Luiz Ruffato und João Paulo Cuenca beim Unterschreiben der Greenpeace-Petition gegen das EU-Mercousurabkommen

Auf dem (am Abend nicht mehr ganz scharf gekriegten) Bild: Michael Kegler, Übersetzer der brasilianischen Autoren Luiz Ruffato und João Paulo Cuenca beim Unterschreiben der Greenpeace-Petition gegen das EU-Mercousurabkommen

am 22.September am Infostand -aus Pandemieschutzgründen draußen vor dem Veranstaltungsort der Marburger Waggonhallen- bei einer Veranstaltung der Amazonas-Festivalwoche “Semana Latina”, die vom aus Brasilien stammenden Komponisten Jean Kleeb und Personen aus dem Weltladen und der Kultur organisiert wird 

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Durch dieses geplante Abkommen drohen über Zollsenkungen noch mehr Einfuhren von billigem Fleisch aus Brasilien nach Europa -für noch mehr Autos aus der EU.

Daraus würde ja der Druck auf den Regenwald um den Amazonas, noch mehr Fläche für Landwirtschaft und Futtermittelproduktion bereit zu stellen, noch ansteigen. Dabei wird er mitsamt seines artenreichen Ökosystems bekanntlich jetzt schon von verheerenden Bränden heimgesucht, die im Wesentlichen, wie auch die Schriftsteller betonten, aus ebendiesem Grund gelegt worden seien.

Und noch mehr Autos für Brasilien wären auch kein Beitrag zum notwendigen weltweiten Klimaschutz!

Die deutsche Regierung hat sich für ihre derzeitige EU-Ratspräsidentschaft eigentlich vorgenommen, das lange vorbereitete Abkommen unter Dach und Fach zu bringen. Aber sicher auch dank Widerstands aus der Zivilgesellschaft zögert sie dabei glücklicherweise erst einmal.

 

In der Veranstaltung über die Politik von Präsident Jair Bolsonaro und dessen Verbindungen sowohl mit Lobbys als auch evangelikalen Kreisen, bei der Literaturkritiker Kegler die beiden über Videokonferenz zugeschalteten brasilianischen Autoren übersetzte, mahnte Luiz Ruffato beim Thema der Brände beim Amazonas:

“Was aber extrem wichtig ist, wenn wir über das Brennen der Wälder reden: Dann müssen wir aber auch über die Verlogenheit reden, in den Ländern, die die größten Konsumenten der brennenden Wälder sind -das sind China aber auch wir.” (gemeint: Wir in Europa)

Dazu rief João Paulo Cuenca das anwesende Publikum im Saal und des Livestreams auf:

“Ihr Deutschen, ihr müsst Druck auf eure Regierung ausüben, das Abkommen nicht zu unterzeichnen. Denn das Abkommen ist besser für Europa als für Brasilien. der Druck, es abzulehnen, muss aus Europa kommen. Die brasilianische Regierung ist auf der Seite des Kapitals, egal wo es her kommt, auch dem Ausland. Die Verträge sind ungleichgewichtig.”

João Paulo Cuenca war auch Kolumnist bei der Deutschen Welle, wurde im Juni 2020 aber nach einem Twitter-Kommentar über die Kumpanei von Brasiliens Präsident Bolsonaro mit dem Klerus entlassen.

Am 24.September wird sich eine Veranstaltung mit der Marburger Ethnologin Dr. Karin Marita Naase noch näher mit dem Amazonas und dessen Ausbeutung beschäftigen

und Christina Haverkamp (Gründerin des Vereins Yanomami-Hilfe e.V.) wird über die Situation der Yanomami in der Zeit der Corona-Krise informieren.
 

Marburg gehört zu den Städten, die sich als "Stadt des fairen Handels" auszeichnen, zu einem Statement gegen das EU-Mercosurabkommen konnte ich den ansonsten in vielen Bereichen aufgeschlossenen Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) noch nicht gewinnen, er müsse sich damit erst intensiver beschäftigen und dazu sei dafür ja nicht eine Kommune zuständig ...

https://www.marburg.de/portal/meldungen/strassenschilder-hauptstadt-des-fairen-handels--900005731-23001.html

… und am 26.September ist Aktionstag für den Danni! .