“Blood Type Plastic” - Erstmals Mikroplastik in Blut nachgewiesen

Timo Dreher Greenpeace Ortsgruppe • 1 April 2022
in der Gruppe ReUse Revolution

Es ist alarmierend. Vor wenigen Tagen haben Forscher:innen einen neuen Artikel veröffentlicht. Ihre Kernaussage: Es ist zum ersten Mal gelungen, Mikroplastik im Blut von Menschen nachzuweisen und zu quantifizieren. Welche Folgen dies für unsere Gesundheit hat, ist noch weitgehend unklar. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Erkenntnisse kurz vor.

 

Mikroplastik im Blut: Alle Fakten

Mikroplastik, also Partikel mit einer Größe von <5mm sind inzwischen überall. Sie werden entweder gezielt hergestellt (primäres Mikroplastik) oder entstehen durch den Zerfall von Makroplastik (sekundäres Mikroplastik). Pflanzen und Tiere nehmen diese Partikel auf und somit auch wir, indem wir diese als Nahrungsquelle nutzen.

Im Falle der Plastikpartikel im Blut ist die wahrscheinlichste Aufnahme über Schleimhäute und die Lungengefäße. Die Aufnahme über Magen und Darm ist dagegen eher unwahrscheinlich.

Einmal im Blut zirkulieren die Partikel - gemessen wurde zwischen 700nm und 514µm - durch den gesamten Körper. Ihr genaues Schicksal ist dabei jedoch größtenteils unbekannt und hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören Form und Größe, Art des Polymers, anhaftende Substanzen und die Reaktion körpereigener Proteine. Entsprechend können sich Partikel gleichmäßig über die Blutbahn verteilen oder sich in engen Kapillaren oder Filter-Organen wie der Leber konzentrieren. Ein Teil der Partikel wird dabei auch herausgefiltert und ausgeschieden.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die gefundenen Plastik-Polymere und deren Konzentrationen. Im Durchschnitt wurden 1,6µg Mikroplastik pro Milliliter Blut in den 22 Proband:innen gefunden.

Polymer

Maximale Konzentration

Anzahl der Nachweise in 22 Proband:innen

Prozentualer Anteil

Polyethylenterephthalat (PET)

2,4 µg/ml

11

50%

Polystyrol (PS)

4,8 µg/ml

8

36%

Polyethylen (PE)

7,1 µg/ml

5

23%

Polymethyl methacrylat (PMMA)

< 0,5 µg/ml

1

5%

Polypropylen (PP)

Nicht quantifizierbar

-

-

 

 

Folgen: Gesundheitliche Bedenken

Nicht nur im Blut, auch in Magen und Darm, Kot und der Plazenta konnte Mikroplastik im Menschen bereits nachgewiesen werden. Bisher lag der maßgebliche Fokus auf der Aufnahme von Mikroplastik über Fische und weitere Meerestiere. Einem UN-Bericht von 2016 zufolge wurde in 247 Meeresarten Mikroplastik gefunden. Welche gesundheitlichen Folgen diese Partikel haben, ist noch weitgehend unklar. Generell kann jedoch zwischen physikalischen und chemischen Effekten unterschieden werden. Physikalisch können Partikel etwa Entzündungen fördern, das Mikrobiom im Magen stören oder auch kleine (Blut-)Gefäße verstopfen. Chemisch sind vor allem die im Plastik enthaltenen und an die Oberfläche gebundenen Stoffe von Bedeutung, welche potenziell toxisch sein können. Die Effekte von Mikroplastik im Blut sind jedoch noch unerforscht.

fisch
© 5 Gyres Institute

 

Was getan werden muss

Die Aufnahme von Mikroplastik in den Körper zu verhindern ist aufgrund der geringen Größe kaum möglich. Der Verzicht auf Meerestiere und Innereien kann ein erster Schritt sein, verhindert jedoch nicht weitere Aufnahmewege, wie etwa über Pflanzen, Kosmetika oder die Atmung. Deshalb sind Unternehmen und Regierungen in der Pflicht: Primäres Mikroplastik muss verboten, sekundäres Mikroplastik so gut wie möglich verhindert werden. Dies geht wiederum nur, wenn der Plastikverbrauch insgesamt drastisch reduziert wird, Müll effektiv gesammelt und recycelt werden kann. Die Aufforderung zur Kreislaufwirtschaft richtet sich an die Bundesregierung, sowie diejenigen Konzerne, welche mit Plastik-Verpackungen auf Kosten der Umwelt Gewinne erzielen. Flächendeckende, recyclebare Mehrwegverpackungen müssen das neue Normal sein, ebenso ein Recht auf Reparatur. Die EU-Kommission ist am 30.03.2022 mit einem überarbeiteten Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft vorangegangen, jetzt liegt es an der Bundesregierung, dieses in die nationale Gesetzgebung zu überführen. 

Hilf mit, unterschreibe unsere Petition und informiere dich auf unserer ReUse-Revolution-Map über unverpacktes Einkaufen.

 

Quellen zum Vertiefen

  • Heather et al. (2022). Discovery and quantification of plastic particle pollution in human blood | Link
  • Smith et al. (2016). Microplastics in Seafood and the Implications for Human Health | Link
  • GP-Studie 2016: Plastik in Fisch und Meeresfrüchten | Link
  • GP-Bericht 2021: Zum Abschminken - Plastik in Kosmetik | Link
  • GP-Bericht 2021: Nicht sauber, sondern Rhein | Link