Die deutschen Plastikmüllexporte haben im letzten Jahr abgenommen - das Problem bleibt

Joana Karow Greenpeace Ortsgruppe • 13 January 2022
in der Gruppe ReUse Revolution

Die guten Nachrichten zuerst: Im Jahr 2021 wurde im Vergleich zu 2020 rund ein Drittel weniger Plastikmüll ins Ausland exportiert. So waren es im letzten Jahr noch etwa 697.000 Tonnen Kunststoffabfall, darunter neben Lebensmittelverpackungen auch Industriefolien und Produktionsabfälle. In Deutschland fallen jährlich insgesamt etwa 6 Millionen Tonnen Abfall allein von getrennt gesammelten Kunststoff an. 

Doch es ist fragwürdig, ob der Rückgang der Exporte darauf schließen lässt, dass die Nachfrage nach den Rohstoffen (recyceltes Plastik in Form von Kunststoff-Granulaten) in Deutschland gestiegen ist. Denkbar dafür wären jedoch auch stärkere Restriktionen für Importe durch asiatische Staaten oder die Corona-Pandemie und daraus folgenden unterbrochenen Lieferketten. Schon im Jahr zuvor ist allerdings die Exportmenge um 9 Prozent zurückgegangen, sodass sich ein positiver Trend verzeichnen lässt. 

Eine weitere positive Entwicklung ist, dass der Hauptabnehmer des deutschen Plastikmülls nicht mehr Malaysia ist, sondern die Niederlande, denn die Recycling-Standards innerhalb der EU sind ähnlich hoch. Zuvor kam es beispielsweise zu illegalen Deponien in der malaysischen Wildnis. Die deutsche Regierung wollte dazu keine Verantwortung übernehmen.

Doch die schlechten Nachrichten sind, dass auf der Liste der Hauptabnehmer die nächsten Plätze nach den Niederlanden die Türkei, Polen und Malaysia sind. Vor wenigen Wochen erst wurde bekannt, dass bereits über 100 illegale deutsche Abfallcontainer unter anderem in die Türkei gebracht wurden. Seit 2021 ist der Import von Kunststoffabfällen in die Türkei nur noch beschränkt möglich. Das türkische Umweltministerium versuchte die Container nach Deutschland zurück zu schiffen, aber die deutschen Behörden reagierten nicht. Von der neuen Umweltministerin Steffi Lemke wird jetzt gefordert, den Fehler der letzten Regierung wieder gut zu machen und die illegalen Müllexporte zurückzunehmen. Sie setzt sich zudem nach eigenen Angaben für ein weitgehendes Exportverbot auf EU-Ebene ein. Das wäre eine sehr wichtige Entwicklung, damit die Umweltschäden aufhören, die unser Müll in ärmeren Staaten verursacht.

Obwohl Deutschland derart viel Müll exportiert, importieren wir gleichzeitig auch wieder Kunststoffabfall. Das Ziel ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, in der neue Rohstoffe aus dem Abfall gewonnen werden können. In außereuropäische Staaten kann jedoch nicht kontrolliert werden, ob der Müll ordnungsgemäß weiterverarbeitet wird. Deshalb ist ein komplettes Verbot von Exporten dringend notwendig. Unser deutscher Plastikmüll sollte auch in Deutschland recycelt werden müssen. Erst wenn sich hier die Müllberge von nicht recyclefähigen Verpackungen ansammeln, werden die Firmen endlich genug Druck bekommen auf Mehrweg und wenigstens recyclefähige Verpackungen umzusteigen.

Den ganzen Artikel über die Abnahme von deutschen Plastikmüllexporten ins Ausland könnt ihr hier und unsere Greenpeace-Forderung nach Rücknahme von illegal ausgeführten Plastikmüll hier nachlesen und gerne über eure Gruppen-Kanäle auch teilen.