Plastic free for peace

Timo Dreher Greenpeace Ortsgruppe • 30 March 2022
in der Gruppe ReUse Revolution

Was hat Plastik mit Frieden oder ganz konkret Putins Krieg in der Ukraine zu tun? Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. 

 

Die einfache Antwort

Plastik besteht aus Öl. Wer Öl hat, hat Macht und Geld. Mit dem Geld aus Ölverkäufen finanzieren sich autokratische Regimes wie Russland ihre Repressionen und Kriege. Die Macht äußert sich in der Abhängigkeit Europas von russischem Öl und Gas. Explodierende Spritpreise und die Angst vor einem Winter ohne Heizung sind effektive Druckmittel für Putin, um seine Kriegspläne umzusetzen.

Klimakrise Unverpackt - Vom Öl zum Plastik
Von Öl zu Plastik - und Abfall. Klimakrise unverpackt-Report 2021

 

Die komplizierte Antwort

Ist eigentlich gar keine Antwort sondern wirft eine Reihe neuer Fragen auf.

  • In welchen Produkten ist Plastik enthalten und in welchen Anteilen und Mengen?
  • Wie viel Öl fließt als Rohstoff in die Herstellung dieser Anteile und Mengen?
  • Woher kommt das Öl beziehungsweise welcher Anteil daran ist russisch?
  • Und was können wir als Einzelpersonen, die Regierung und Unternehmen dagegen tun?

Dieser Beitrag möchte Licht auf einige der Fragen werfen und einfache Möglichkeiten aufzeigen, wie die Abhängigkeit von Öl und damit fossilen Energien insgesamt verringert werden kann. Gleich vorweg: Die Lage ist nicht so hoffnungslos, wie sie scheint - im Gegenteil!

 

Wie viel Öl steckt in deutschen Konsumgütern?

Einweg-Plastikflaschen

Jährlich werden in Deutschland 17,4 Milliarden PET-Einwegflaschen verbraucht. Diese summieren sich auf 450 000t Plastik. Für jedes Kilogramm PET werden rund 2,1 Liter Erdöl benötigt. Für alle Einwegflaschen zusammen sind dies unglaubliche 945 Millionen Liter! Im Vergleich zu den deutschen Erdölimporten aus Russland von 31,26 Milliarden Liter sind das 3%. Diese Menge könnte eingespart werden, wenn wir in Deutschland auf flächendeckende Mehrweg- statt Einweg-Systeme und haltbare Materialien wie Glas setzen. Seit dem 1. Januar 2022 wird nun auch auf Einwegflaschen ein Pfand erhoben. Doch das ist nicht genug, es muss ein geschlossener Kreislauf anstelle von Downcycling stattfinden!

PET-Flasche im Meer
© Will Rose / Greenpeace

 

Shampoo-Flaschen

Durchschnittlich 2 Milliarden Shampoo-Flaschen verbrauchen wir Deutschen im Jahr. Für die 50 Millionen Kilogramm Plastik werden 105 Millionen Liter Erdöl oder umgerechnet 0,35% der deutschen Erdölimporte aus Russland benötigt. Alternativen gibt es zur Genüge: Kernseifen eignen sich nicht nur zum Händewaschen, sondern auch zum Duschen. Auch Duschgel aus Roggenmehl kann eine echte Alternative sein.

 

Kleidung aus synthetischen Fasern

Ja, auch in Kleidung steckt Plastik! Oftmals in Form von Polyester, welches 60% aller Fasern ausmacht. Bei einem deutschen Pro-Kopf-Verbrauch von 7,2kg summiert sich der Erdölverbrauch für die Herstellung des Polyesters auf 120 Millionen Liter oder umgerechnet 0,38% der deutschen Erdölimporte aus Russland. Niemand braucht 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Kaufe weniger, trage deine Kleidung länger, repariere sie und kaufe second hand. Und verzichte im Idealfall auf synthetische Fasern, welche zudem beim Waschen eine gewaltige Menge an Mikroplastik freisetzen.

 

Verpackungsmüll in Deutschland gesamt

Knapp 39kg Plastikmüll produziert jede:r Deutsche im Jahr, 3,2 Millionen Tonnen insgesamt. Die Menge an Erdöl in diesem Plastikmüll entspricht 21,5% der deutschen Erdölimporte aus Russland.

Plastikmüll
© Dennis Reher / Greenpeace

 

Was nun?

Die Zahlen belegen eindrucksvoll, wie sehr unser Leben von Plastik und damit auch von Erdöl aus autokratischen Staaten geprägt ist. Natürlich kann das Erdöl aus Russland nicht 1:1 in Plastikprodukte umgerechnet werden, schließlich werden Produkte weltweit produziert und auch viele andere Länder exportieren Öl. Dennoch zeigt es deutlich auf, dass unser gegenwärtiges System der schnellen Plastik-Wegwerfgesellschaft weitreichende Konsequenzen hat. Jede:r Einzelne von uns kann seinen Beitrag leisten, sich gegen dieses System zu wehren. Insbesondere sind aber Unternehmen und Regierungen in der Pflicht, einen echten Systemwechsel voranzutreiben! Dazu gehören eine Verringerung der Plastikflut, nachhaltiges Produktdesign ohne Schadstoffe und Mikroplastik, sowie eine erweiterte Herstellerverantwortung. 

 

Wir fordern

  • In unserer Petition flächendeckend Mehrweg-Verpackungen als das neue Normal
  • Ein Recht auf Reparatur, um unnötigen Müll zu verhindern
  • 10% an alternativen Angeboten in deutschen Innenstädten: Second Hand, leihen, reparieren statt Neukauf

 

Werde aktiv!

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