Waldwende in BaWü

Thomas Teufel Greenpeace Ortsgruppe • 22 May 2022

Wald für morgen - Wildnisgebiete

Wälder spielen eine große Rolle - für den Klimaschutz, für die Biodiversität ... und für die Holzindustrie. Aber den Wald, den wir jetzt als Normalität erleben, wird es in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben. Hitze, Trockenheit und Stürme führen schon jetzt dazu, dass z.B. die Fichte, der "Brotbaum" der Holzindustrie, verschwindet. Sie hat keine Zukunft. Auch Buchen kränkeln. Sind fremde Baumarten, die an deren Stelle gepflanzt werden, die Lösung?

Immer wichtiger wird der Wald als CO2-Senke in der Klimakrise; Holz bindet langfristig Kohlenstoff, dichte Wälder kühlen und schützen den Boden vor Austrocknung. Vieles spricht für eine "Waldwende", d.h. in geschützten Bereichen den Wald einfach wachsen zu lassen wie es die Natur vorsieht und menschliche Eingriffe auf ein Minimum zu beschränken. Wer weiß besser als der Wald, was geeignet ist nachzuwachsen, welcher Baum mit geänderten klimatischen Bedingungen zurecht kommt? Ziel ist somit auf diesen Flächen möglichst viel Holz im Wald zu haben - Totholz und Altholz müssen nicht "aufgeräumt" werden, sondern bilden wichtige Grundlage für weiteres Leben.

"Wildnis" in Deutschland? So exotisch ist das nicht, denn Deutschland hat bereits 2007 basierend auf der UN-Convention on Biological Diversity die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt beschlossen. Zentral darin sind Waldschutzgebiete - 2020 sollten eigentlich 5% der Waldfläche bzw. 10% des Staatswaldes sich selbst überlassen werden. Die Realität sieht aber anders aus: Zwar haben wir viele Schutzgebiete, in denen einiges verboten ist (FFH, Natura 2000, Naturparks etc.), aber nicht das Einschlagen von Holz. Dies ist nur auf 2,8% der Fläche der Fall, Baden-Württemberg bildet mit 1,23% das Schlusslicht in Deutschland.Oft handelt es sich auch noch um kleine, nicht zusammenhängende Flächen, die ganz isoliert sind. Größere "Wildnisgebiete" (über 1000 Hektar) sind selten.

Die Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg unterstützt wissenschaftlich die Suche nach geeigneten Flächen, die aus der Bewirtschaftung genommen werden und sich selbst überlassen werden können - es entsteht Wald, wie er früher einmal war, mit dunklen Bereichen und kleinen Lichtungen, Totholz und Insekten, Tieren, die sich dort ungestört aufhalten können - und nicht zuletzt ein im Kampf gegen die Klimakrise wichtiges Instrument.

Auch der Schönbuch steht auf der Liste der in Frage kommenden Waldgebiete und so haben wir, gemeinsam mit Greenpeace-Ehrenamtlichen aus Stuttgart und Tübingen, geführt von einem Waldexperten, eine ganztägige Exkursion im Schönbuch unternommen um uns unterschiedliche Formen der Waldbewirtschaftung anzusehen - vom Bannwald über Rodungsflächen, Restfichtenbeständen und Laubmischwald.

 

Natürlich brauchen wir Holz als hervorragenden Rohstoff, der auch langfristig CO2 bindet, z.B. als Bauholz oder als Möbel. Aber müssen wir für Toilettenpapier Bäume fällen? Oder um das Holz zu verheizen?

Fast 50% des Holzes wird "energetisch" verwendet, also verbrannt zur Wärmegewinnung - ein großer Teil auch für Verpackungen. Hier müssen wir ansetzen etwas zu ändern - dann haben wir resiliente ursprüngliche Waldareale und wertvolles Holz für langlebige Dinge.

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