(Text von veggiewombat, Bilder von pixabay.com)
Im Osten Bayerns erstreckt sich beiderseits der Deutsch-Tschechischen Grenze ein etwa 100 bis 120 Kilometer langes, landschaftlich reizvolles Mittelgebirge, das wesentlich älter als die Alpen ist.
Mit "Bayerischer Wald" ist zum einen der auch „Hinterer oder Innerer Bayerischer Wald“ genannte Gebirgszug an der tschechisch-deutschen Grenze gemeint - im Schulatlas ist die Region zwischen dem Oberpfälzer Wald und der österreichischen Grenze meist als "Böhmerwald" zu finden. Der Böhmerwald bildet eine europäische Wasserscheide, die Flüsse und Wasserläufe nördlich des Gebirgskamms fließen in die Ostsee, südlich davon in die Donau und somit in das Schwarze Meer. Der 1.456 Meter hohe Große Arber ist die höchste Erhebung des Böhmerwaldes. Zum anderen steht die Bezeichnung „Bayerischer Wald“ für das auch „Vorderer oder Äußerer Bayerischer Wald“ genannte Gebirge, das sich direkt nördlich der Donau erhebt. Der Einödriegel ist hier mit 1.121 Metern der höchste Berg.
Mit etwas Glück kann man in den ausgedehnten Waldgebieten einige Tiere des Waldes zu sehen bekommen. Rehe, Hirsche, Füchse und andere bekannte Tiere des Waldes kommen hier vor. Aber auch weit weniger verbreitete Tierarten wie Fischotter, Schwarzstörche, Greifvögel und Eulen sowie die besonders seltenen Raufußhühner finden hier einen weitgehend intakten Lebensraum. Sogar die größte europäische Raubkatze, der Luchs, ist in die alten Wälder zurückgekehrt.
Im besonders naturbelassenen Waldgebiet an der tschechischen Grenze wurde 1970, nach langen Kämpfen mit der einheimischen Bevölkerung, der erste deutsche Nationalpark eröffnet.
Landkarte:
Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern, wo die Einrichtung von Nationalparks längst begonnen hatte, war die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit relativ rückständig, wenn es um Naturschutzbelange ging. Das aufstrebende Wirtschaftswunderland hatte andere Sorgen, als dem Erhalt von intakter Natur mit artenreicher Pflanzen- und Tierwelt Beachtung zu schenken. Man wollte in der Welt wieder anerkannt werden, und nach dem verlorenen Krieg an die wirtschaftliche Bedeutung früherer Zeiten anknüpfen. Doch beklagten auch damals schon viele Bundesbürger/innen das Schwinden an Lebensqualität wegen der fortschreitenden Naturzerstörung durch Straßenbau und andere Baumaßnahmen, sowie Flurbereinigung, Flussbegradigungen und Verkehrslärm.
1970 wird der erste deutsche Nationalpark eröffnet
Das Interesse in der Bevölkerung war groß, aber die Einheimischen im Bayerischen Wald hatten größte Bedenken
Erste Forderungen nach einem größeren Naturreservat im Bayerischen Wald gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Sogar zur Zeit des nationalsozialistischen Terrors Ende der 1930er Jahre war die Einrichtung eines Nationalparks geplant. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Nationalparkidee erst einmal ausgesetzt.
1966 setzte sich besonders der Frankfurter Zoodirektor und Tierfilmer Professor Bernhard Grzimek für die Einrichtung eines Nationalparks im Bayerischen Wald ein. Das allgemeine Interesse in der Bevölkerung waren groß. Widerstände und Bedenken in der lokalen Bevölkerung konnten überwunden, oder zumindest eingeschränkt werden. 1969 beschloss der Bayerische Landtag einstimmig die Errichtung des Nationalparks, und schließlich wurde 1970 der erste deutsche Nationalpark eröffnet. Er hatte damals eine Größe von 132 km². Bis 1992 wurde noch etwas Forstwirtschaft zugelassen, allerdings nicht in den noch vorhandenen Resten von ursprünglichem Wald.

1997 wurde das Nationalparkgebiet auf 242 km² vergrößert
Zusammen mit dem 680 km² großen tschechischen Nationalpark Šumava ergibt sich ein, für Mitteleuropa, einzigartiges Großschutzgebiet. Seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" können auch Tiere über die Grenze wechseln. So sind schon Luchse, Wölfe und Elche aus Böhmen in den Bayerischen Wald eingewandert. Leider werden diese Tiere häufig gewildert, oder werden das Opfer von Verkehrsunfällen.

Waldwipfelpfad
Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal
Ludwigsthal, ein Ortsteil der Gemeinde Lindberg, liegt etwa 5 km nördlich der kleinen Stadt Zwiesel. 2005 wurde hier das Infomationszentrum Falkenstein mit dem Haus der Wildnis sowie einem Tier-Freigelände und einer Steinzeithöhle eröffnet.
Im weitläufigen Tier-Freigelände sind Wildpferde und rückgezüchtete Wildrinder zu sehen, die den leider im 17. Jahrhundert ausgerotteten Auerochsen sehr nahe kommen. Die anderen Gehege sind mit Luchsen und Wölfen besiedelt.

Der Große Rachel, zweithöchster Berg des gesamten Bayerischen Waldes, ist mit 1.453 Metern die höchste Erhebung des Nationalparks. Am Fuß des mit Mischwald und Fichtenwald bewachsenen Berges befindet sich der eigenartige Rachelsee. Sein dunkelbraun gefärbtes Wasser ist ziemlich sauer, daher sind nur wenig Lebewesen im See zu finden. Nur einige Algen und Mikroorganismen überleben in dem See, der einen pH-Wert von 4 bis 5 aufweist. Außerdem wurden Larven von Köcher- und Schlammfliegen sowie von Libellen in dem sauren Gewässer festgestellt. Oberhalb des Sees befindet sich die ganz aus Holz gebaute Rachelkapelle.
Nordwestlich des Großen Rachels befindet sich der Kleine Rachel. Er erreicht 1.399 Meter Höhe.

Sonnenaufgang auf dem Lusen
Im Osten des Nationalparks nah der tschechischen Grenze erhebt sich der 1.373 Meter hohe Lusen. Der unverwechselbare, mit Granit-Felsblöcken bedeckte Gipfel ist eine geologische Besonderheit in Bayern. 1995 begannen viele Bäume des Bergwaldes durch Befall des Borkenkäfers abzusterben. Für viele Besucher war die Entscheidung der Nationalparkverwaltung, das Totholz nicht zu entfernen, unverständlich. Diese Entscheidung war dennoch richtig, denn der Wald wächst wieder nach, und die abgestorbenen Bäume dienen vielen Tieren als Unterschlupf. Die natürliche Waldentwicklung geht weiter. Ein neuer Wald entsteht.
Seit die Fläche des Nationalparks erweitert wurde, gehört auch der Große Falkenstein (1.315 Meter hoch) zum Parkgebiet dazu. Unterhalb des Berges liegt das Höllbachgspreng, ein bewaldetes Felsmassiv, durch das der Höllbach eine tiefe, enge Schlucht eingeschnitten hat. Hier gibt es noch Reste des einstigen Urwaldes, ebenso im Urwald Mittelsteighütte. Er liegt zwischen dem Großen Falkenstein und dem 1.190 Meter hohen Kleinen Falkenstein. Richtigen Urwald, also von Menschen völlig unberührten Wald, gibt es auch im Bayerischen Wald keinen mehr, aber die Wälder kommen einem Urwald doch recht nahe. Das Ziel der Nationalparkverwaltung ist, wieder einen Urwald entstehen zu lassen.
Auf alle Berggipfel führen markierte Wanderwege, die festes Schuhwerk und gute gesundheitliche Kondition erfordern. Der Aufstieg durch die naturbelassenen Wälder zu den Gipfeln lohnt sich, nicht nur wegen der schönen Aussicht.

Großer Arbersee

Junger Rothirsch
Artenreiche Laubwälder, Mischwälder und Nadelwälder - mit seltenen Pflanzen und Tieren
Das Vorkommen von etwa 7.300 Arten an Pflanzen und Tieren im Nationalparkgebiet gilt als gesichert. 760 Arten von Gefäßpflanzen, 340 Flechten- und 490 Moosarten sowie 1.860 Pilzarten konnten nachgewiesen werden. Von den ungefähr 3.850 Tierarten sind die meisten den Wirbellosen zuzurechnen. An Wirbeltieren gibt es inzwischen wieder Vögel und Säugetiere, die bereits durch menschlichen Einfluss ausgestorben waren. Durch Wiederansiedlungsprojekte und gezielte Schutzmaßnahmen bei rückwandernden Tieren konnten erfreuliche Erfolge verzeichnet werden.
Die Vegetation im Park ist je nach Höhenlage unterschiedlich. Prägend für die höheren Lagen des Parkgebiets sind Bergfichtenwälder, während an den Hängen ein Mischwald, bestehend aus Rotbuchen, Weißtannen Bergulmen und Fichten sowie zu finden ist. In den Tälern wächst, je nach Bodenbeschaffenheit, Laubwald, Mischwald oder Nadelwald. Der Reichtum an seltenen Pflanzen ist im Parkgebiet bemerkenswert. So wachsen Gebirgs-Frauenfarn, Siebenstern, der insektenfressende Sonnentau, Türkenbund-Lilie und Pannonischer Enzian an vielen Stellen im Unterwuchs der Bergwälder, besonders in Schluchten und an Abhängen. Der Blaue Tarant hat am Großen Falkenstein eines seiner wenigen Vorkommen in Deutschland. Die seltene Enzian-Art kommt sonst nur auf dem Balkan, den Alpen und Pyrenäen vor.
Etwa 156 Arten von Wirbeltieren wurden im Park festgestellt, sowie über 3.690 Wirbellose Tiere. Einige der Vertreter der Pflanzen- und Tierwelt möchte ich Ihnen hier vorstellen:

Ein wunderschöner Biber
Nagetiere
Verschiedene Arten von Nagetieren, von kleinen Mäusen, wie der Waldmaus, der Gelbhalsmaus, der Rötelmaus und der Brandmaus, bis hin zum großen Biber (Castor fiber), kommen im Gebiet vor. Eichhörnchen sind überall verbreitet, und auch die vier einheimischen Bilche, Siebenschläfer (Glis glis), Gartenschläfer (Eliomys quercinus) und Haselmaus (Muscardinus avellanarius) kommen vor. Sogar Baumschläfer (Dryomys nitedula) wurden festgestellt, die im Bayerischen Wald, dem Fichtelgebirge und den Alpen ihre westlichste Verbreitungsgrenze haben. Alle Bilche halten Winterschlaf, in der warmen Jahreszeit sind kleinen flinken Nager dämmerungs- und nachtaktiv.

Siebenschläfer kommen manchmal auch in Häusern vor.
Insektenfresser und Fledermäuse
Auch die Gattung der Insektenfresser ist im Nationalpark vertreten: Igel und einige Spitzmausarten, darunter die seltene Alpenspitzmaus kommen vor. Fledermäuse sieht man in der Abend- und Morgendämmerung ausfliegen, darunter wurden auch besonders seltene Arten wie die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) und das Große Mausohr (Myotis myotis) festgestellt.

Eine kleine Spitzmaus (leider weiß ich nicht, welche Art)
Huftiere
Das Europäische Reh (Capreolus capreolus) ist ein häufiges Tier im gesamten Bayerischen Wald. Dies war aber nicht immer so. Um 1800 gab es kaum noch Rehe, und auch Rothirsche (Cervus elaphus) waren sehr selten. Die Gründe lagen in übermäßiger Bejagung. Heute sind die Bestände gesichert.

Rehbock

Rothirsch Männchen (mit Geweih), dahinter ein Weibchen
Manchmal tauchen sogar Elche (Alces alces) im Nationalpark auf. Sie kommen aus einem Teichgebiet in Südböhmen, wo sich ein kleiner Bestand von 20 bis 30 Tieren gebildet hat. Einige der mächtigen Hirsche mit dem Schaufelgeweih gelangen auf ihren Wanderungen bis Österreich und Deutschland. Ich hoffe sehr, mit der Zeit wird ein kleiner Bestand an Elchen entstehen. Lebensraum ist jedenfalls vorhanden.

Ein prächtiger Elchbulle
Wildschweine (Sus scrofa) kommen in den Laub- und Mischwäldern mit einem hohen Anteil an Eichen und Buchen vor. Zu beobachten sind die Tiere am besten im Tier-Freigehege im Nationalparkzentrum Lusen.

Wildschwein-Familie

Rotfüchse sind erfreulicherweise häufig im Bayerischen Wald

Das Fell des Hermelins kann sich im Winter weiß färben

Dachse sind dämmerungs- und nachtaktiv
Beutegreifer
Zahlreiche Arten von Raubtieren sind im Nationalparkgebiet zu finden. Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist weit verbreitet, aber nur selten zu sehen. Der Europäische Dachs (Meles meles) führt ein heimliches Leben, da er überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv ist. Außer dieser größten heimischen Marderart gibt es noch kleinere Vertreter dieser Raubtierfamilie. Das Fell von Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis) kann sich im Winter weiß färben. Baummarder (Martes martes) und Steinmarder (Martes foina) sind in praktisch allen Waldtypen zu finden. Der Iltis (Mustela putorius) kommt besonders in den "Filzen" vor. Und sogar der seltene Fischotter (Lutra lutra), der flinke, wendige Wassermarder, hat an den einsamen Waldbächen sein wichtigstes Vorkommen in Bayern.
🦦Fischotter schützen statt schießen! Bitte unterzeichnen Sie gegen die Pläne der Bayerischen Regierung, den Bestand dieser wunderschönen Tiere durch grausame Jagd zu verringern: https://mitmachen.wwf.de/node/345?utm_campaign=fischotter&utm_medium=referral&utm_source=unbounce

Fischotter
Braunbären (Ursus arctos) kommen derzeit (noch) nicht freilebend im Nationalpark vor. Dagegen haben sich Wölfe (Canis lupus), aus Böhmen kommend, von selbst angesiedelt. Für die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist der Bayerische Wald im Allgemeinen zu schneereich. Doch seit einigen Jahren gibt es Nachweise des schönen kleinen Raubtiers.
Besuchen Sie die Seite von https://wolfsschutz-deutschland.de/

Eurasischer Luchs - die schönen Tiere müssen vor illegaler Tötung geschützt werden.
Luchse - ihre Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Naturschutz
Der Eurasische Luchs (Lynx lynx), auch Nordluchs genannt, hat sich inzwischen im Parkgebiet fest etabliert. Allerdings wird auf die schönen Tiere immer wieder illegal geschossen. Wie hoch der Bestand der heimlich lebenden Raubkatzen mit den markanten Pinselohren ist, steht nicht sicher fest. Die Nationalparkverwaltung geht von einem festen Bestand von ungefähr sechs Luchsen im Parkgebiet aus. Seit 1970 wurden im Nationalpark einzelne Luchse gezielt angesiedelt. Außerdem wanderten einige der schönen Raubkatzen mit dem Stummelschwanz seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" aus Tschechien ein. Im gesamten ostbayerischen Grenzgebirge kommen inzwischen Luchse vor. Die größte Raubkatze Europas ist für Menschen völlig ungefährlich; die heimlichen Beutegreifer ernähren sich von Mäusen, Hasen, kranken oder schwachen Rehen und Vögeln.
Singvögel
Viele Singvögel, die auch in dichter besiedelten Gegenden Mitteleuropas vorkommen, trifft man auch im Bayerischen Wald an. Viele Finken- und Meisen-Arten, Stare und alle einheimischen Drosseln leben und brüten in den Wäldern. Eine Besonderheit ist die Ringdrossel (Turdus torquatus), die sonst nur in Nordeuropa sowie in den Alpen und anderen hohen Gebirgen vorkommt, und der kleine Zwergschnäpper (Ficedula parva), der hauptsächlich in Osteuropa und Russland verbreitet ist.
Alle Arten von einheimischen Rabenvögeln kommen im Bayerischen Wald vor. Saatkrähe, Rabenkrähe, Eichelhäher und Elster, aber auch der auf die nordeuropäische Taiga sowie auf Gebirgswälder Europas und Asiens beschränkte Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) ist im Gebiet des Nationalparks sowie auch außerhalb zu finden.

Tannenhäher

Die Wasseramsel ist der einzige heimische Singvogel, der schwimmen und tauchen kann.
Entlang schnell fließender Gewässer macht die Wasseramsel Jagd auf Kleintiere. Dabei taucht sie als einziger Singvogel ganz ins Wasser ein.
Spechte
Alle 9 einheimischen Spechtarten brüten im Parkgebiet, darunter auch die größte einheimische Art, der Schwarzspecht. Der seltene Dreizehenspecht sowie der Weißrückenspecht und der Wendehals kommen ebenso im Nationalpark vor wie Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grauspecht und Grünspecht.
Schwarzspecht
Schreitvögel
Der seltene Schwarzstorch (Ciconia nigra) brütet in den dichten Wäldern, da er, anders als der Weißstorch, die Nähe von Menschen meidet. Der scheue Waldvogel ist etwas kleiner wie der Weißstorch, der bisweilen im Vorland des Bayerischen Waldes vorkommt und seine Nester gerne in menschlichen Siedlungen aufbaut. Schwarzstörche bauen ihre Nester auf Bäumen versteckt im Wald. Der Bestand an Graureihern (Ardea cinerea) konnten sich seit den 1970er Jahren wieder vermehren.
Graureiher
Eulen
Von den einheimischen Eulen sind fast alle Arten vertreten. Sogar der ausgestorbene Habichtskauz (Strix uralensis), manchmal auch Uralkauz genannt, konnte erfolgreich wieder angesiedelt werden. Weitere vorkommende Eulenarten sind der Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz, Schleiereule und Waldohreule sowie der Uhu.

Habichtskauz
Taggreifvögel
An Greifvögeln finden sich der Mäusebussard, der Wespenbussard, Habicht und Sperber sowie Turmfalke, Baumfalke und Wanderfalke. Manchmal können sogar Schreiadler bei der Jagd beobachtet werden. Die sehr seltene Adler-Art brütet bislang nur auf der tschechischen Seite, war aber früher auch auf der bayerischen Seite verbreitet. (Es gibt in Deutschland etwa 100 Schreiadler, überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Bestand ist leider rückläufig. Hoffentlich greifen die Schutzmaßnahmen für diese Adler-Art, die überwiegend in Osteuropa verbreitet ist.)
Raufußhühner
In den weiten Wäldern konnten die schönen Raufußhühner letzte Rückzugsgebiete finden. Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) bevorzugt die Nadelwälder, während das Haselhuhn (Tetrastes bonasia) in Laub- und Mischwäldern zu finden ist. Das Birkhuhn (Lyrurus tetrix) dagegen lebt in Feuchtgebieten, Heidelandschaften und lichten Wäldern. Alle Arten von Raufußhühnern sind sehr anfällig für Störungen. Die Bestände gehen dann leider sehr schnell zurück, wenn die Tiere zu wenig Ruhe in ihrem Lebensraum finden. Daher wird besonders zur Brutzeit versucht, Wanderer von den Brutplätzen der scheuen Vögel durch Absperrungen fernzuhalten.

Der Auerhahn muss streng geschützt werden.
Amphibien
Ein besonders markanter Vertreter der Amphibien ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Die schönen Lurche kommen besonders in feuchten Laubwäldern vor, benötigen aber auch trockene Versteckmöglichkeiten. Teichmolch, Bergmolch, Erdkröte, sowie die Gelbbauchunke, der Moorfrosch und der Grasfrosch kommen ebenso im Nationalpark vor.
Seltene Pflanzen wie die Heidekrautgewächse, die Wollgräser sowie Zwergbirke und Waldkiefer gedeihen nur auf den sauren Böden gut. Diese einzigartigen Lebensräume dienen außerdem als Wasserspeicher und sind auch für das regionale Klima von großer Bedeutung, da sie als Wasserspeicher zu Beginn der Vegetationsperiode für eine langsamere Erwärmung sorgen.
Feuersalamander
Reptilien
An Reptilien wurden die ungiftige Ringelnatter und die Schlingnatter festgestellt. Mit der Kreuzotter ist auch eine Giftschlange vertreten, die aber nicht angriffslustig ist und für Menschen normalerweise keine Gefahr darstellt. Außerdem findet man die Waldeidechse, die manchmal auch Bergeidechse genannt wird, sowie die Zauneidechse und die Blindschleiche, die eigentlich eher wie eine kleine Schlange aussieht. Sie ist aber eine Eidechse, mit rückgebildeten Beinen.
Kreuzotter
Fische
Die standorttreuen Bachforellen leben in den klaren Gebirgsbächen praktisch immer am gleichen Platz, und auch die aus Nordamerika stammenden Regenbogenforellen bevorzugen das Wasser der sauberen, schnell fließenden Bergbäche. In den klaren, kühlen Gewässern findet die Äsche ihr Refugium.
Wirbellose Tiere
Eine Vielzahl von Insekten kommt im Parkgebiet vor. Schmetterlinge, Heuschrecken und Käfer kommen besonders auf den Schachten vor. Diese Lichtungen mit leichtem Baum- und Strauchbestand entsprechen den Almen der Alpen. Viele spezialisierte Schmetterlinge wie der Hochmoor-Perlmutterfalter oder der Hochmoorgelbling sind auf die Filze angewiesen. Zahlreiche Libellenarten, Käfer und Spinnen sind auf diesen Lebensraum spezialisiert.
Scheckenfalter
Die seltene Flußperlmuschel war bereits fast ausgestorben. Durch strenge Schutzmaßnahmen ist sie in einigen Bächen des Nationalparks wieder heimisch.
Der Nationalpark - wichtig für Menschen, Tiere und Natur
Die einheimische Bevölkerung war in der Gründungszeit des Nationalparks absolut nicht gut auf die Nationalpark-Idee zu sprechen. Sie befürchteten Einbußen und Einschränkungen durch den Park. Inzwischen ist der Nationalpark zu einem attraktiven Reiseziel für Ausflugsgäste, Schulklassen und Urlauber geworden. Und die Urlaubsgäste kommen nicht nur aus Deutschland. Somit wurden die Einnahmen durch die Nationalpark-Besucher auch zu einem wichtigen Motor für die einheimische Wirtschaft. Dies führte endlich zu einer zunehmenden Akzeptanz der Anwohner.
