Ein Blick auf die vielfältige Tierwelt im Nationalpark Harz
Bilder von Pixabay, Text von veggiewombat
Naturbelassene, schluchtenreiche Bergwälder mit zahlreichen Bächen, dazu ein Nationalpark, an dem zwei Bundesländer Anteil haben
Der Harz, ein waldreiches Mittelgebirge, erhebt sich aus der norddeutschen Tiefebene zwischen Goslar, der Lutherstadt Eisleben, Nordhausen und Halberstadt. Drei deutsche Bundesländer, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, haben Anteil am höchsten Gebirge Norddeutschlands.
Landschaftlich sehr reizvoll, ist diese für das nördliche Deutschland ungewöhnliche Region ein viel besuchtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Zahlreiche Wanderwege, Radwege und Skilanglauf-Loipen bieten Besuchern ein reiches Betätigungsfeld praktisch zu jeder Jahreszeit. Viele Bereiche des Harz sind noch relativ naturbelassen. Es gibt zwar auch Regionen, die von reinen Fichtenmonokulturen geprägt sind, mit aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten angepflanzten Nadelbäumen. Inzwischen ist man unter dem kompetenten Einfluss von Naturschützern in der heutigen Forstwirtschaft eher bereit, auch ökologische Erfordernisse zu berücksichtigen und abwechslungsreiche Mischwälder anzulegen und zu bewirtschaften.
In solchen Wäldern können auch selten gewordene Pflanzen und Tiere einen geeigneten Lebensraum finden. Eine besondere Attraktion bietet der Harz für Besucher – einen 247 km² großen Nationalpark. Hier finden sich noch - oder inzwischen wieder - besonders seltene Pflanzen und Tiere. Sogar Luchse wurden erfolgreich angesiedelt. Und im Nationalpark befindet sich der höchste Berg ganz Norddeutschlands, der sagenumwobene Brocken.
Der Nationalpark Harz - ein Besuchermagnet, aber auch ein ideales Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen
Bereits 1898 forderte das Preußische Abgeordnetenhaus, das die Regierungsgewalt in diesem Teil des Deutschen Kaiserreichs hatte, einen Nationalpark im Harz zu schaffen. Während der Hitler-Diktatur im Jahr 1937 wurde im Oberharz ein Naturschutzgebiet geschaffen. Doch erst Jahrzehnte später wurde das Nationalpark-Vorhaben verwirklicht. Kurz vor der Wiedervereinigung im Jahr 1990 schuf die damals noch bestehende DDR-Regierung den Nationalpark Hochharz, der daraufhin vom neu entstandenen Bundesland Sachsen-Anhalt verwaltet wurde. Niedersachsen gründete 1994 den Nationalpark Harz. 2006 schließlich wurden beide Parks zu einem einzigen Nationalpark Harz genannten Park vereinigt. Das Gebiet umfasst nun 247 km².
Ein Urwald soll wieder im Nationalpark Harz entstehen
Der Harz bestand in früheren Zeiten aus unzugänglichem Urwald - und im Nationalpark soll sich die Natur wieder dahin entwickeln können. Dies ist das Ziel der Nationalparkverwaltung. Bis es soweit ist, wird es aber noch eine geraume Zeit dauern - doch weitgehend naturbelassen und wunderschön ist die Harz-Natur auch jetzt schon. Der Nationalpark Harz ist neben dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem Nationalpark Kellerwald-Edersee sowie dem Nationalpark Hainich ein weiterer wichtiger Wald-Nationalpark in Deutschland.
Nicht jeder deutsche Nationalpark ist von der IUCN anerkannt worden - der Nationalpark Harz hat diese Anerkennung erhalten. Allerdings sind noch nicht 75% der Parkfläche, wie geplant, als Naturdynamik-Zone ausgewiesen, sondern erst ungefähr 52%. Daher gilt der Nationalpark Harz bisher als Entwicklungsnationalpark bei der IUCN.
Da viele Tiere in freier Natur nur sehr schwer zu beobachten sind, wurden zwei Wildtier-Beobachtungsstationen eingerichtet. Hier können Besucher Rothirsche, Rehe und Wildschweine in ihrer natürlichen Umgebung erleben.
Die Tierwelt im Nationalpark Harz
Rehe, Rothirsche und Wildschweine zählen zu den häufigen Großtieren des Parks. Aber auch das Europäische Mufflon, in den 1930 Jahren als "Jagdwild" eingeführt, kommt vor. Häufig ist der Waschbär, eine Kleinbären-Art, die ursprünglich in Nordamerika verbreitet war. In den 1930er Jahren wurden einige der dämmerungs- und nachtaktiven Tiere nahe des Edersees in Hessen ausgesetzt, ebenfalls als "Jagdwild". Inzwischen sind die schönen Kleinbären in weiten Teilen Deutschlands verbreitet, so auch im Harz.
Ebenfalls eine neue Tierart in Deutschland ist der Marderhund, von dem es auch im Harz mehrere Exemplare gibt. Einst nur in Ostasien verbreitet, wurden einige Tiere zur "Pelzgewinnung" in Russland angesiedelt und haben sich nach Westen verbreitet, manche entkamen auch aus "Pelzfarmen". Seit ungefähr 1960 kommt der kleine Wildhund auch in einigen Teilen Deutschlands vor.
Waschbär und Marderhund sehen sich etwas ähnlich und sind ungefähr gleich groß, gehören aber, wie erwähnt, zu zwei verschiedenen Tiergattungen. Der Marderhund wird bisweilen auch "Waschbärhund” genannt.
Die Wiederansiedlung von Luchsen - ein großer Erfolg für den Naturschutz
Erfreulicherweise war die Wiederansiedlung von Luchsen im Harz erfolgreich - die scheuen Beutegreifer waren hier leider komplett ausgerottet. 1818 wurde der letzte Luchs in einer aufwändigen Treibjagd erlegt - nur gut, dass man so einen perversen "Jagderfolg" heute als Kulturschande betrachtet.
Zwischen den Jahren 2000 und 2007 wurden im Nationalpark 24 Luchse angesiedelt. Die Tiere wurden aber nicht einfach ausgesetzt. Unter fachkundiger Leitung von Zoologen wurden die größten europäischen Raubkatzen in einem großen Wildgehege allmählich auf die Auswilderung in ihrer neuen Heimat vorbereitet. Die Tiere stammen alle aus zoologischen Gärten. Einigen Luchsen legten die Wissenschaftler Peilsender um den Hals, um zu beobachten, welchen Weg die großen Katzen in der neuen Umgebung nehmen, und ob sie hier im Harz zurechtkommen. Sehr erfreulich ist, dass es auch schon mehrfach deutliche Hinweise auf Luchs-Nachwuchs gegeben hat.

Eurasischer Luchs
Erleben können Besucher die schönen, scheuen Katzen mit den Pinselohren im Luchs-Schaugehege des Nationalparks. In freier Natur leben die heimlichen Tiere so gut verborgen, dass man sie praktisch nie zu sehen bekommt. Die für Menschen völlig ungefährlichen Schäferhund großen Wildkatzen meiden menschliche Nähe. Sie ernähren sich von kleinen Säugetieren, manchmal auch von Rehen. Sogar Rotfüchse, Waschbären und andere kleine Beutegreifer können zu ihren Beutetieren zählen.
Die Europäische Wildkatze - der Harz war eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in Deutschland
Wenigstens eines ist Jägern nicht gelungen - die zweite einheimische Wildkatzenart auszurotten! Im Harz konnte sich nämlich ein kleiner Bestand der Europäischen Wildkatze erhalten. Außer im Harz gab es in Deutschland nur noch in der Eifel Restbestände der kleinen Raubkatzen.
Heute gilt der Bestand der heimlichen Jägerin im Harz als gesichert - und auch in anderen Teilen Deutschlands und Europas haben sich die Bestände dank Schutzmaßnahmen erholen können. Die Tiere bevorzugen Laubwald und Mischwald - beides finden sie im Harz. Hier liegt auch heute ihr bedeutendstes Vorkommen in Deutschland.
Wildkatzen erbeuten hauptsächlich Mäuse und kleinere Vögel. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Europäischen Wildkatzen nicht die Vorfahren unserer Hauskatzen sind, sondern die Afrikanische Falbkatze.

Europäische Wildkatze
Auch die Vogelwelt ist reich vertreten - Singvögel, Rabenvögel, Eulen, Greifvögel, Spechte ...
Mit der häufigeren Amsel sowie der Singdrossel und Wacholderdrossel ist die Ringdrossel nah verwandt, aber sie geht nur selten in menschliche Siedlungen und hat ein wesentlich kleineres Verbreitungsgebiet als ihre Drossel-Verwandten. An den Gebirgsbächen macht die Wasseramsel Jagd auf Insekten, wobei es vorkommt, dass der lebhafte kleine Vogel ganz im Wasser untertaucht und schwimmt.

Kolkrabe
Eichelhäher, Elster, Dohle und Rabenkrähe kommen im Harz häufig vor, und auch der Kolkrabe, der größte einheimische Rabenvogel - einst ausgerottet - ist hier wieder vertreten. Sogar den typischen Ruf des Tannenhähers, ein Rabenvogel, der auf Berg-Fichtenwälder spezialisiert ist, weniger auf Tannen, kann man in den höheren Lagen vernehmen.
Tannenhäher und Ringdrossel sind zwei Vogelarten, die eigentlich typische Vertreter der nordischen und alpinen Fauna sind - im Harz finden auch diese Vögel gute Lebensbedingungen.

Schwarzspecht
Sieben einheimische Specht-Arten sind im Harz vertreten: Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grünspecht, Grauspecht, Schwarzspecht und der Wendehals.
Man kann sie oft nicht sehen, aber häufig ihr Hämmern hören. Besonders beeindruckend ist eine Begegnung mit dem rabengroßen Schwarzspecht. Erstaunlich, dass die Vögel keine Kopfschmerzen bekommen, während sie ins Holz der Bäume ihre Bruthöhlen zimmern.
Besonders für Spechte, aber auch für andere Waldvögel wie die Hohltaube, sind abgestorbene Bäume wichtig zur Nahrungssuche, und um in den geschaffenen Baumhöhlen einen sicheren Unterschlupf zu finden.

Schleiereule
Die dichten Harzwälder sind ein idealer Lebensraum für Eulen, von denen mindestens sechs Arten im Harz vorkommen. Waldohreule, Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz, Schleiereule und Uhu werden in der Abenddämmerung aktiv und gehen auf ihre nächtliche Jagd.
Auch Sperber, Habicht sowie Mäuse- und Wespenbussard, aber auch Rotmilan sowie Turm-, Baum- und Wanderfalken sind im Harz verbreitet.

Waldkauz
Auerhühner - werden sie im Harz überleben?
Im Harz fanden einige der seltenen Auerhühner letzte Rückzugsgebiete. Die größten einheimischen Waldhühner sind leider vom Aussterben bedroht, und es ist so gut wie unmöglich, eines der Tiere in freier Natur zu beobachten. Man bemüht sich im Nationalpark sehr darum, den Lebensraum für die beeindruckenden großen Vögel zu erhalten. Ob es gelingen wird, ist leider noch nicht sicher. Die Ursachen für den Rückgang der schönen Raufußhühner, trotz strenger Schutzmaßnahmen, werden noch erforscht. In der kleinen Ortschaft Lonau im Südharz liegt das Auerhuhn-Gehege des Nationalparks. Hier können Besucher außer Auerhühnern auch noch Birkhühner und Haselhühner, die ebenfalls im Harz wichtige Rückzugsgebiete finden, in naturnah gestalteten großen Gehegen beobachten.

Balzender Auerhahn
Amphibien, Reptilien und Fische
Da es im Harz vor allem Fließgewässer gibt, sind nicht so viele Lebensräume für Amphibien wie an Standgewässern vorhanden. Dennoch kommen Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche an geeigneten Stellen vor, und auch der Feuersalamander fühlt sich wohl, wo der Wald feucht ist. Ja sogar die außergewöhnliche Geburtshelferkröte wurde festgestellt. Das Vorkommen von einigen Reptilienarten wie den Waldeidechsen, Blindschleichen und Ringelnattern ist belegt, auch die giftige, aber nicht angriffslustige Kreuzotter kommt vor, besonders in den Hochmooren. An Fischen sind vor allem Bachforelle und Groppe in den Gebirgsbächen vertreten.

Feuersalamander
Das Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus
In 811 Metern Höhe liegt das Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus - der Eintritt ist frei! Mit interessanten Ausstellungen und Multimedia-Vorführungen wird Besuchern die einzigartige Natur des Harz vermittelt. Von dort werden auch von Nationalpark-Rangern geführte Naturerlebnis-Wanderungen wie Moorführungen oder Vogelstimmen-Touren angeboten. Verschiedene Seminare zur Umweltbildung finden regelmäßig statt, und zwar auch häufig außer Haus, so dass die Teilnehmer auch wetterfeste Kleidung und feste Schuhe mitbringen sollten. Es gibt noch weitere Besucherzentren wie das Brockenhaus, das Naturerlebniszentrum Hohnehof oder die Rangerstation Scharfenstein.

Der Brocken wirkt auch heute noch geheimnisvoll.
Der Brocken - der höchste Harz-Berg
Nicht weit weg von Wernigerode, der "Bunten Stadt im Harz", liegt der höchste Harz-Gipfel - der legenden- und sagenumwobene Brocken. Als Sammelplatz von "Geisterwesen" und als "Hexentanzplatz" früher oft gemieden - der "Blocksberg" galt als Veranstaltungsort der Walpurgisnacht - war der Brocken 45 Jahre lang für Besucher praktisch nicht zugänglich, da der gesamte Berg in der Grenzzone der ehemaligen DDR lag. Heute liegt die 1.141 Meter hohe Erhebung auf dem Gebiet des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, in Grenznähe zu Niedersachsen. Inzwischen wurde der Brocken zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in ganz Deutschland.

Sicher lohnt es sich, den mühsamen Aufstieg auf den Brocken auf ausgewiesenen Wanderwegen zu gehen. Schon Johann Wolfgang von Goethe war begeistert von der "ganzen Welt in Wolken und Nebel und oben alles heiter". Nach dem großen Dichter ist der Goetheweg benannt - die genaue Route, die der damals in Diensten des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach stehende Minister nahm, ist allerdings nicht bekannt.
Die Brockenbahn
Fast noch beliebter als der Fußweg ist die Fahrt zum Gipfel mit der Brockenbahn. Diese seit 1898 zwischen Drei-Annen-Hohne (543 m) und dem Brockenbahnhof (1.125 m) verkehrende Schmalspurbahn wird auch heute noch mit einer Dampflok betrieben. Die Fahrgäste sind überwiegend Ausflugs- und Urlaubsgäste - denn man bekommt auf der Fahrt zahlreiche landschaftliche Highlights des Harz zu sehen. So durchquert man mit der Brockenbahn das Tal der kleinen Bode, kann auf der Fahrt in zahlreichen Kurven und Windungen den Wurmberg (971 m) sehen, den höchsten Berg Niedersachsens, passiert den Bahnhof Goetheweg (heute keine offizielle Bahnstation mehr), bis man schließlich nach einigen weiteren Spiralen auf dem Brockenbahnhof ankommt. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde.
Der Brockengipfel - eine faszinierende Bergkuppe mit alpiner Vegetation und nordischen Klima
An klaren Tagen hat man vom weitgehend baumfreien Gipfel einen herrlichen Ausblick bis zum Thüringer Wald, dem Weserbergland und bis weit in die Norddeutsche Tiefebene.
Interessant ist, dass die Brockenkuppe bereits oberhalb der Baumgrenze liegt - es gibt nur noch ganz wenige von Wind und Wetter zerzauste Bäume. Nur die widerstandsfähige Zwergstrauchheide gedeiht gut im rauhen Wetter von Norddeutschlands höchstem Berg, dessen Klima durchaus mit dem von Island vergleichbar ist. Heinrichshöhe (1.045 m), Königsberg (1.033 m) und Kleiner Brocken (1.018 m) sind naheliegende Nebenkuppen des "Blocksbergs".

Brocken
Brockenhaus, Brockengarten und Rundfunksender
In der einstigen Abhörzentrale der DDR-Staatssicherheit ("Stasi") befindet sich heute das sehenswerte Brockenhaus. Auf drei Etagen finden Besucher hier eine faszinierende, lehrreiche Ausstellung über Geschichte, Flora und Fauna und die vielen Besonderheiten des Nationalparks Harz, aber auch Informationen über Mythen und Sagen sowie berühmte Brocken-Besucher. Denn nicht nur der große Goethe war fasziniert vom Brocken, auch Heinrich Heine und Hermann Löns gehörten zu den Brocken-Gästen. Besucher werden auch über die Geschichte der Region, vor allem die Entwicklung des militärischen Sperrgebietes, genau informiert - der Kalte Krieg wirkte sich natürlich auch auf den Brocken aus.
Eine unglaubliche Vielzahl von Pflanzenarten finden Besucher im Brockengarten. Hochgebirgs- und Tundrenpflanzen wie die Kleine Alpenkuhschelle, das Brocken-Habichtskraut oder die Weiße Silberwurz sind nur einige der wunderschönen ungefähr 1.800 Pflanzenarten in dieser sehenswerten Gartenanlage.
Eine Rarität ist der kleine Brocken-Mohrenfalter. Die endemische Schmetterlingsart wurde bislang nur auf dem Brocken festgestellt. Leider ist der kleine Falter seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet worden. Ob eines Tages wieder ein Exemplar unerwartet entdeckt wird?