Kinderarbeit im Kakaosektor

Melanie Manegold Greenpeace e.V. • 9 March 2022
Kakaobauern bei der Arbeit

Die Côte d'Ivoire ist weltweit der größte Kakaoproduzent. Kakao wird zum größten Teil in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut.

Durch die stark schwankenden Preise auf dem Weltmarkt sind die anbauenden Familien oftmals nicht in der Lage, erwachsene Hilfskräfte zu bezahlen. Deshalb müssen häufig Kinder beim Kakaoanbau mithelfen.

Ein Report über Kinderarbeit vom National Opinion Research Center der Universität von Chicago zeigt auf, dass schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder in den beiden westafrikanischen Ländern Ghana und der Côte d'Ivoire in der Kakaoproduktion arbeiten ??. Damit geht rund jedes zweite Kind, das in den landwirtschaftlichen Regionen der Côte d’Ivoire und Ghanas lebt, ausbeuterischer Kinderarbeit nach.

95 Prozent dieser Kinder verrichten körperlich sehr anstrengende und gesundheitsgefährdende Tätigkeiten, etwa das Arbeiten mit Macheten oder der Einsatz mit giftigen Pestiziden. Abgesehen von den körperlichen Strapazen entlässt auch der häufig eingeschränkte Zugang zu Bildung die Kinder nicht aus diesem Teufelskreis.

Für kakao zerstörte Waldflächen
© picture alliance / REUTERS | LUC GNAGO

 

In der Vergangenheit gab es Versuche wie das Harkin-Engel-Protokoll, um die Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen einzudämmen. Verschiedenste Vertreter:innen der Schokoladenindustrie unterschrieben freiwillig das Protokoll, unter anderem Nestlé und Mars. Damit versprachen diese Unternehmen, bis 2005 die Kinderarbeit in ihren Produktionsketten zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach angepasst und verändert, zuletzt strebte die Industrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 an. Doch bis heute arbeiten noch unzählige Kinder im Kakaoanbau, die freiwillige Selbstverpflichtung seitens der Industrie hat offenbar nicht funktioniert.

Dies führte dazu, dass die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation International Rights Advocates eine Sammelklage gegen die Schokoladenhersteller einreichte. Die Sammelklage wurde im Namen von acht malischen Bürger:innen gegen die führenden Firmen auf dem Markt wegen angeblicher Mitschuld an Menschenhandel und Zwangsarbeit eingereicht. Die Kläger:innen selbst erfuhren als Kind dasselbe Schicksal. Sie wurden verschleppt und gezwungen, auf Kakaoplantagen in der Côte d'Ivoire zu arbeiten. 

Um Kinderarbeit zu verhindern, müssten die Kakaopreise so stark angehoben werden, dass die anbauenden Familien sich erwachsene Hilfskräfte leisten könnten. Da Kakao in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut wird, könnte das Einführen von Fairtrade als eine sichere Lebensgrundlage für die Familien dienen.