Claudia Schultz erstellte einen Beitrag in Vegan 2022

Und hier sind meine Punkte, über die ich auch gestern schon gesprochen hatte

Tierschutz hat nicht nur Auswirkungen auf das Wohl der Tiere, sondern auch direkten Einfluss auf die Menschheit. Es geht nicht nur um Ethik, Moral, Anstand und dem Wohlergehen von Tieren, sondern auch um das Überleben auf unserem Planeten. Wir brauchen einen echten Strukturwandel in der Landwirtschaft. Wir müssen weg von der industriellen Tierhaltung. Nur so können wir Klima, Umwelt, Tiere und Menschen schützen. Der Verbraucher wird es alleine nicht schaffen, daher muss die Politik endlich tätig werden!

Zur Verdeutlichung liste ich die nachfolgenden Punkte auf, die nur die Tierindustrie betreffen!

Die enorme Ressourcenverschwendung
Laut dem Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung wird nur ein kleiner Teil der Nutztiere verwertet:
nur ca. 50% eines zur Schlachtung vorgesehenen Tieres landet als Fleisch und Wurst beim Verbraucher.
Und selbst die Verbraucher werfen noch viel weg (Dabei handelt es sich um Tierprodukte, die der Verbraucher pro Jahr entsorgt, weil der diese z.B. im Kühlschrank vergessen oder im Gasthaus das Menü nicht fertig gegessen hat...)
Produkte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist und die Supermärkte das Produkt wegwerfen

„Verluste in der Tierproduktion“ (vorzeitiger Tod).
Durchschnittlich sterben ca. 21% der Schweine, bevor sie das Schlachthaus erreichen
Durchschnittlich sterben ca. 10% der Rinder, bevor sie das Schlachthaus erreichen
die männlichen Kälber, die in den ersten Monaten bei Bauern „entsorgt“ werden, weil der Milchbauer nichts mit ihnen anfangen kann (er lässt sie verdursten / verhungern)
die Föten der schwangeren Kühe
Downerkühe (meist Turbomilchkühe), die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr stehen können (Deren Fleisch darf nicht mehr verzehrt werden)
Durchschnittlich sterben ca. 1% der Schafe, bevor sie das Schlachthaus erreichen
Durchschnittlich sterben ca. 4% der Hühner, bevor sie das Schlachthaus erreichen (davon ist das Kükenschreddern ausgenommen)
Durchschnittlich sterben ca. 4% der Puten, bevor sie das Schlachthaus erreichen
Durchschnittlich sterben ca. 3% der Enten, bevor sie das Schlachthaus erreichen
(nicht erfasst sind Mutter-/ und Zuchttiere, Gänse, Ziegen, Fische (sog. Beifang der Meeresfische / Haifische))

Dazu kommen noch weitere Todesfälle bei Nutztieren:
- Tierseuchen bei denen teilweise der ganze Bestand eines Betriebes gekeult wird
- Tod der Tiere durch Stallbrände
- Tiertransporte in andere Länder (EU- oder Drittstaaten) per LKW oder Schiff
Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als eine Milliarde Geflügel werden jährlich in der EU grenzüberschreitend transportiert, dazu kommen noch rund 400 Millionen vierbeinige Nutztiere, wie Rinder, Schweine oder Schafe.
- Tod der Tiere bei den unnötigen Tierversuchen
- Tiertodesfälle durch Tiertransporte in Deutschland auf überladenen LKWs
usw.

Methanausstoss:
Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO aus dem Jahr 2006 produziert die weltweite Nutztierhaltung rund 18% der globalen Treibhausgas-Emissionen. Vor allem die Treibhausgase Methan, Kohlendioxid und Distickstoffoxid (Lachgas) sind Nebenprodukte der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die meisten Emissionen entfallen dabei auf Stickstoffdüngung gefolgt von der mikrobiellen Verdauung der Rinder und der Verbrennung von Biomasse. Auch aus Tierexkrementen, durch Düngerproduktion, die Verwendung von Landmaschinen und die Bewässerung entstehen Treibhausgase. Das renommierte Worldwatch Institute sieht den Anteil der Viehwirtschaft an den globalen Treibhausgas-Emissionen sogar bei 51%.
Und wieviel Methanausstoss ist dabei durch die unnötig verstorbenen Nutztiere entstanden?

Seuchen / Antibiotika-Resistenzen
Unter den Bedingungen in den großen Mastbetrieben vermehren sich Krankheiten sehr schnell, weshalb die Tiere immer wieder mit Antibiotika vollgepumpt werden müssen. Diese Antibiotika landen auch im Wasser, im Fleisch und schließlich auch im menschlichen Körper.
Diese Allgegenwärtigkeit der Antibiotika hat fatale Folgen – denn auch die Keime passen sich auf Dauer an. Durch genetische Mutation und Auslese entstehen resistente Bakterien, die auf keines der gängigen Antibiotika mehr ansprechen. Die Fleischindustrie feuert dagegen: Weil viele Keime gegen die Standard-Antibiotika bereits resistent sind, bekommt ein Tier bis zu 8 verschiedene Antibiotika, teilweise gleich drei gleichzeitig.
Laut einer neuen Studie starben 2019 weltweit mehr als 1,27 Millionen Menschen direkt durch eine Infektion mit einem antibiotikaresistenten Erreger. [1] Das sind mehr Todesfälle als durch HIV oder Malaria.

Anstieg der Nitratbelastung und der Zerstörung der Böden
Zerstörung der Böden und des Grundwassers (Nitrat) durch die enorme Gülle-Menge

Regenwaldabholzung
Futtermittel-Anbau in Monokulturen, Regenwaldabholzung (für Soja / Masttierfutter), Unmengen an Pestiziden und Düngemitteln, massiver Wasserverbrauch sind die Folgen

Um der Ressourcenverschwendung, Regenwaldabholzung, dem Anstieg der Nitratbelastung, der Zerstörung unserer Böden, den Antibiotikaresistenzen und dem Methanausstoß Einhalt zu gebieten ist es notwendig, dass die Tierhaltung extrem reduziert wird. Tierprodukte / Fleisch muss wieder wertgeschätzt und teurer werden!.
Die Forderungen sollten daher sein:

Förderung von Milchalternativ-/Fleischalternativ-Produkten, die eine wesentlich bessere Klimabilanz haben und besser für die menschliche Gesundheit sind (z.B. Reduzierung der Mehrwertsteuer)
enorme Reduzierung der Tiere in der Tierhaltung (mindestens 50%) (und damit Reduzierung der Gülle, Nitratbelastung, Masttierfuttereinsatz, Methanemission, Regenwaldabholzung, usw)
Abschaffung der industriellen Massentierhaltung und dadurch drastische Reduzierung der tierischen Ressourcenverschwendung
Gemäss Tierschutzgesetzen sollte nur noch die Tierhaltung mit folgenden Mindestkriterien gesetzlich erlaubt sein:
Zwingend notwendig sind ein Weidezugang für alle Tierarten
kein Mastfuttereinsatz
das vollständige Verbot von Qualhaltungen (Keine Trennung von der Mutter, Keine Anbindehaltung),
Einsatz von Zweinutzungsrassen und Verbot von Qualzuchten
körperliche Unversehrtheit (keine Amputationen, Verstümmelungen)
Schlachtung nur mit totaler Überwachung gemäß der neuen Gesetzesvorlage
Keine Hochleistungskühe (Turbokühe), die sehr krankheitsanfällig sind. Der Fortschritt liegt in gesunden Zweinutzungsrassen, die länger leben und weniger Futter brauchen.
Verbot von prophylaktischem Antibiotikaeinsatz. Es dürfen nur Antibiotika im Krankheitsfall durch einen Tierarzt verabreicht werden
usw.
Bauern, die die Tiere nach diesem Standard versorgen sollten gefördert werden
Keine Lebendtiertransporte (Exporte) in andere Länder. Export nur von gekühltem Fleisch oder Sperma (zu Zuchtzwecken).
Verbot des Imports von tierischen Produkten aus Massentierhaltung, die keine Tierhaltung nach unseren Mindestanforderungen betreiben (zum Schutz der einheimischen Bauern, die die Tiere gut halten)