Rosatoms Verstrickungen in Kriegsverbrechen

Sonja Hochgesand (ab 19.10 wieder erreichbar) • 24. September 2025
Aktivist mit Protestbanner. Auf dem Banner steht "Sanction Rosatom Now!"

Rosatoms Verstrickung in Kriegsverbrechen und nukleare Risiken am AKW Saporischschja


Die Organisation Truth Hounds hat mit Unterstützung von Greenpeace Ukraine eine aufrüttelnde Untersuchung veröffentlicht, die zeigt, wie Russlands staatlicher Atomkonzern Rosatom aktiv an der militärischen Besetzung des Kernkraftwerks Saporischschja (ZNPP) beteiligt ist – inklusive Zwangsmaßnahmen gegen das Personal, Verletzungen der nuklearen Sicherheit und Verbrechen gegen Zivilisten.


🔍 Zentrale Erkenntnisse
•     Unternehmensverstrickung in die Besatzung: Rosatom zwang Mitarbeitende des AKW zur Vertragsunterzeichnung unter Druck, integrierte sich in die Verwaltungsstruktur der Besatzung und nutzte Finanzstrukturen zur Festigung russischer Kontrolle.
•     Missbrauch nuklearer Governance: Rosatom agierte gleichzeitig als kommerzielles Unternehmen und als Unterstützer russischer Militärpolitik – die Grenze zwischen ziviler Energieverwaltung und militärischer Besetzung wurde aufgehoben.
•     Zerstörung der nuklearen Sicherheit: Durch Einschüchterung und Verfolgung von Fachpersonal wurden zentrale Sicherheitsprinzipien der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verletzt. Die Sicherheitskultur des AKW ist massiv geschwächt.
•     Gefahr durch Reaktor-Neustart: Trotz unsicherer Bedingungen plant Rosatom die Wiederinbetriebnahme von Reaktoren – Expert:innen warnen vor großflächigen radioaktiven Freisetzungen mit kontinentalen Folgen.
•     Globale Doppelmoral: Rosatom ist in 33 Ländern aktiv und kontrolliert 44 % der weltweiten Urananreicherung – trotz seiner Rolle in Kriegsverbrechen.


🧑‍🔬 Aussagen der Expert:innen
Roman Koval von Truth Hounds betont, dass Menschenrechtsverletzungen direkt mit nuklearen Sicherheitsrisiken verknüpft sind. Shaun Burnie von Greenpeace Ukraine warnt: „Rosatom hat das AKW Saporischschja in eine tickende Zeitbombe verwandelt. Die Ausrüstung verfällt, russisches Personal ist unqualifiziert, und der wahre Zustand der Anlage wird bewusst verschleiert.“


📘 Über den Bericht „Seizing Power“
Der Bericht basiert auf:
•     39 Interviews mit Überlebenden von Folter und Inhaftierung in Enerhodar
•     Auswertung lokaler Medien, Telegram-Kanäle und geleakter Datenbanken
•     Fachgesprächen mit ehemaligen ZNPP-Mitarbeitenden und Greenpeace-Expert:innen
•     Juristischer Analyse zu Verstößen gegen internationales Recht


👉 Vollständiger Bericht auf Englisch