Klimaneutralität und der Hunger nach Metallen

Timo Dreher Greenpeace Ortsgruppe • 2 May 2022
in der Gruppe Themengruppe Konsumwende

Ausgangslage

Metalle halten unser Leben am Laufen. Ohne sie gibt es keine Autos, Häuser, keine Elektronik. Seit Jahren steigt der Bedarf an Metallen stark an und wird dies in den kommenden Jahrzehnten noch verstärkter tun.

Metall
https://rockstone-research.com/images/1a1/mineral-demand.jpg 

 

Mitverantwortlich ist der benötigte Umbau von Wirtschaft, Energieerzeugung und Verkehr, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Klimaneutralität und eine maximale Erderwärmung von 2°C verzichten auf Öl und Gas, benötigen im Ausgleich dafür jedoch vermehrt Metalle. Wie sehr die EU dabei von Importen abhängt wurde bereits durch eine starke Exportbeschränkung von Seltenen Erden durch China im Jahr 2009 deutlich. Der Ukraine-Krieg zeigt umso mehr, dass Metalle oftmals aus autokratischen Staaten stammen oder auch unter Ausbeutung von Mensch und Umwelt gefördert werden. Bereits 2020 hat die EU daher eine Liste besonders kritischer Metalle eingeführt, welche ökonomisch von hoher Bedeutung sind, deren Versorgungssicherheit aber gleichzeitig gefährdet ist. Auf dieser Liste stehen unter anderem Kobalt und Seltene Erden. Dieser Beitrag behandelt folgende Punkte:

👉 Welche Metalle brauchen wir und wofür?

👉 Wie sieht die aktuelle Versorgungslage der EU aus?

👉 Wie kann der Bedarf an Metallen in Zukunft gedeckt werden?

 

Welche Metalle werden benötigt und wofür?

Dieses Kapitel soll nur ganz kurz an einigen ausgewählten Beispielen verdeutlichen, welche Metalle für den Umbau zu Erneuerbaren Energien und Klimaneutralität benötigt werden.

 

Batterien und E-Autos

Batterien benötigen große Mengen an Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan und werden für Energiespeicherung und E-Autos benötigt. Der Gesamtbedarf an ausgewählten Metallen für ein E-Auto beträgt mehr als 6mal so viel wie für ein konventionelles Auto.

E-Auto
https://power-shift.de/wp-content/uploads/2018/11/2018-11-Eauto.jpg

 

Erneuerbare Energien

Windkraftanlagen verbrauchen eine noch größere Menge an Metallen, bei Offshore-Anlagen sind es im Vergleich zu konventionellen Gas-Felder haben rund 9mal mehr. Eine große Rolle spielt Kupfer insbesondere für die Leitungen, sowie Seltene Erden wie beispielsweise Neodym, welches für leistungsstarke Magneten verwendet wird. Für Photovoltaik ist neben Kupfer der Aluminium-Bedarf recht groß. Auch für die Herstellung und Speicherung von Wasserstoff werden Metalle benötigt, darunter etwa Scandium, Nickel und Platingruppenelemente.

IEA
Internationale Energieagentur (2022)

 

Wachstum bis 2040

Im Vergleich zum aktuellen Bedarf könnte dieser bis 2040 um das über 40-fache für Lithium steigen, sowie um einen Faktor von 20 - 25 für Kobalt und Nickel. Auch wenn dies die Extremwerte darstellen, wird mindestens eine Vervierfachung des gesamten Bedarfs an Metallen erwartet. Unsicherheiten ergeben sich aus den ungewissen politischen Entscheidungen und technologischen Fortschritten.

 

 

Importlage und eigene Förderung

Laut einer am 25.04.22 veröffentlichten Studie der KU Leuven ist die EU bereits heute vergleichsweise breit aufgestellt, was den Import von Metallen betrifft. Dennoch gibt es einige Länder, welche den globalen Markt für einzelne Metalle dominieren. China beispielsweise ist global führend bei der Produktion Seltener Erden, aber auch von Lithium und Kobalt. Russland hingegen versorgt die EU mit Aluminium und Nickel, weshalb die Lage hierfür nun stark angespannt ist. Um sich hiervon weniger abhängig zu machen, kann der Import von Metallen auf mehrere Länder diversifiziert werden. Im Gegensatz zu Öl sind preisliche Schwankungen jedoch weniger reguliert und kontrollierbar. Ein Ausbau der europäischen Produktion ist aufgrund der Erschöpfung der Lagerstätten, hoher Umweltauflagen und steigende Betriebskosten eher nicht zu erwarten. Für Nickel, Kobalt, Aluminium, Zink und einige weitere Metalle wird eine Abnahme der Produktion in den kommenden Jahrzehnten erwartet. Projekte für den Abbau von Lithium und Seltenen Erden werden zwar geprüft, können jedoch noch nicht verbindlich eingeplant werden. Zudem gehen diese mit großen Umweltverschmutzungen einher, wogegen sich starker Protest regt.

 

Lösung Kreislaufwirtschaft

Da weder Import noch ein Ausbau der eigenen Produktion langfristig den Bedarf decken und aus weiteren angeschnittenen Gründen unsinnig sind, wird eine Alternative benötigt: Kreislaufwirtschaft. Die Studie der KU Leven kommt dabei zu folgendem Ergebnis: 

Wird der Bedarf an Metallen bis 2040 gedeckt, dann könnte bis 2050 ein Großteil des weiteren Bedarfs durch Recycling gedeckt werden. Die Forscher:innen nennen eine Quote von 75% für Lithium und sogar über 100% für Seltene Erden. Hierfür ist jedoch Ökodesign unverzichtbar. Aktuell können etwa Seltene Erden noch kaum oder nur unter hohen Aufwand recycelt werden. Wird Recycling jedoch bereits beim Design eines Produktes mitbedacht, können gezielt Technologien verbessert und entwickelt werden. Ende März hat die EU in ihrem neuen Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft genau diese Grundlagen geschaffen. Zur effektiven Umsetzung müssen diese Vorgaben nun in nationale Regelungen überführt werden. Neben Effizienz darf auch die Suffizienz nicht vergessen werden. Dies bedeutet, Produkte länger zu nutzen, sie zu reparieren und wiederzuverwenden statt neu zu kaufen. Gerade aktuell wird deutlich, dass der Ressourcenverbrauch insgesamt reduziert werden muss, um von autokratischen Staaten unabhängiger zu werden. Welche Effekte dies bei einigen Metallen und Öl haben kann, haben wir bereits in diesem Greenwire-Beitrag aufgezeigt.

👉 Die Menge an Kobalt aus Handys in deutschen Schubladen macht 20% der russischen Exporte aus

👉 bei Silber sind es immerhin 11%

👉 Für alle Elektrogeräte zusammengerechnet sind die Effekte viel größer!

👉 Weitere Informationen und Inspiration findet ihr auch auf unserem Make SMTHNG Instagram Kanal.

Repair Cafe
© Greenpeace / Tobias Goebbels

 

Greenpeace fordert

👉 Eine starke, nationale Umsetzung des EU-Maßnahmenpakets zur Kreislaufwirtschaft

👉 Die Bundesregierung muss das im Koalitionsvertrag beschlossene Recht auf Reparatur jetzt umsetzen

  • alle Maßnahmen des Runden Tisches und von Greenpeace: Recht auf Reparatur 
  • Ersatzteile müssen günstig und einfach zu beschaffen sein
  • Software-Updates müssen 10 Jahre lang zur Verfügung stehen
  • Einführung eines transparenten Reparaturindex zur Information von Verbraucher:innen
  • niedrigschwellige Reparatur-Angebote, auch zum selber lernen

👉 10% der deutschen Innenstädte müssen aus Alternativen zum Neukauf bestehen

  • Second Hand Shops und Bioläden auch für Elektronik
  • Reparatur-Cafes und Reparatur-Läden

 

Quellen

  • Science.orf (2022): Wie sich Europas Metallhunger stillen lässt | Link
  • Studie der KU Leven (2022): Metals for clean energy | Link
  • Internationale Energieagentur (2022): The role of critical minerals in clean energy transitions | Link | Link Zusammenfassung
  • EU Kommission (2020): Liste kritischer Metalle | Link
  • Deutscher Naturschutzring (2022): EU sollte bei Metallen auf Recycling setzen | Link