Wie Selbermachen uns helfen kann, weniger zu kaufen

Joana Karow Greenpeace Ortsgruppe • 7 January 2022
in der Gruppe Themengruppe Konsumwende

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden in den Schulen die grundlegenden Fertigkeiten zum Reparieren und Renovieren - wie Nähen, Stricken, Holz- und Metallbearbeitung - gelehrt. Doch der Unterricht in diesen Handwerken ist aus der Mode gekommen. Jede:r, die:der heute über 40 Jahre alt ist, hätte diese Fertigkeiten nutzen können, um Geschenke für ihre:seine Eltern anzufertigen, und hätte gewusst, wie man kleine Reparaturen durchführt; dass Mode nicht immer von großen Marken hergestellt wird, sondern dass es möglich ist, unsere eigene Kleidung zu entwerfen und zu nähen, sie anzupassen und zu ändern, sie zu reparieren oder einen Knopf zu ersetzen.

Bei den jüngeren Generationen ist dieses Wissen heute fast verloren gegangen. In einer britischen Umfrage gab jede:r vierte Befragte an, keinen Knopf annähen zu können; jede:r zweite konnte kein Loch flicken oder eine Naht reparieren. Die Designerin und Gründerin von "Fashion Revolution" Orsola Castro weiß warum: "Durch die allgegenwärtige Fast Fashion hat eine ganze Generation diese Fähigkeiten verloren". In den 1980er Jahren drückten die Anhänger:innen der Post-Punk-Szene ihre Individualität noch aus, indem sie ihre Kleidung selbst entwarfen und anpassten. Heute gibt es in jedem Modediscounter vorgefertigte Versionen dieses straßentauglichen Trend-Looks".

Konsum

Konsum - ein Teufelskreis

Es ist schwierig, dem Teufelskreis zu entkommen, den die moderne Konsumgesellschaft in Gang gesetzt hat. Zunächst einmal machten billige Produkte das Reparieren und Flicken überflüssig. Dann verloren wir den Respekt vor den Dingen und das notwendige Wissen, um sie zu erhalten. Jetzt haben wir alle Hemmungen verloren, immer mehr neue Produkte zu kaufen und sie immer kürzer zu benutzen. Diese Wegwerfkultur zeigt sich heute im Phänomen der "Fast Fashion" und in vielen anderen Alltagsprodukten wie Elektronik, Inneneinrichtung, Spielzeug und Haushaltswaren.

Das Konsumverhalten bringt unseren Planeten um. Er heizt das Klima auf, verbraucht zu viel fossile Energie, zerstört Lebensräume und Landschaften sowie die Lebensgrundlagen der Menschen. Den Preis dafür zahlt nicht nur die Natur, sondern auch die Millionen von Menschen, die unter oft lebensbedrohlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten.

Make Smthng

Aber wir können JETZT VERÄNDERUNGEN HERBEIFÜHREN

Menschen in Näh- und Repair-Cafés, DIY-Gemeinschaften, urbanen Gärten, Maker:innenspaces und Fab-Labs auf der ganzen Welt beweisen, dass viele Personen den Wunsch haben, etwas mit ihren eigenen Händen zu schaffen - und dass es einfacher ist, wenn wir die Ressourcen, Materialien und Werkzeuge dafür in gemeinschaftlichen Räumen teilen.

Wer einmal einen Tisch oder ein Bett selbst gebastelt hat, wird es sich zweimal überlegen, bevor er:sie ein fadenscheinigen Bausatz aus einem schwedischen Möbelhaus kauft. Wer einen Pullover aus echter Wolle gestrickt hat, wird billigen Polyesterstrick vermeiden. Und wer ein paar Salatköpfe in seinem:ihrem Garten gepflanzt, gehegt und gegen Schnecken verteidigt hat, wird nur ungern Lebensmittel wegwerfen - weil er:sie weiß, wie mühsam der Anbau sein kann.

Wer etwas selbst gemacht hat, kauft beim nächsten Mal bewusster, egal ob es sich um Lebensmittel, Mode oder Handys handelt. Die Erfahrung, ein Original zu schaffen, wird dich dazu bringen, über dein Konsumverhalten nachzudenken, und du wirst eher einen Weg finden, deine Waren zu reparieren, zu pflegen und zu teilen, bevor du sie wegwirfst. Es ist wichtig, dass wir diese Kultur in unseren Gemeinschaften verbreiten und diese Räume, in denen Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen geteilt werden, zu einem wesentlichen Bestandteil unseres städtischen Lebens machen.

Herstellung trifft Technik

Wir plädieren nicht für eine Rückkehr zu einer Zeit vor der modernen Technologie, in der wir alles selbst herstellen würden. Das wäre nicht machbar - aber die Maker:innen-Community, die sich in Fab Labs und Maker:innenspaces auf der ganzen Welt entwickelt hat, beweist, dass Heimwerken, das Internet und die neueste Technologie Teil derselben Bewegung sind. Moderne Technologien können uns mit einer Vielzahl von Anleitungen, Wissen und Erfahrungen verbinden, die mit Gemeinschaften auf der ganzen Welt geteilt werden können. Es gibt Online-Communities wie Shareable und Instructables, die uns mit einfach zu befolgenden Anleitungen versorgen, wie wir Dinge herstellen und teilen können. Folge unserem Instagram-Kanal @makesmthng, um weitere Inspirationen zu erhalten und dich mit Macher:innen auf der ganzen Welt zu vernetzen.

Diese Offline- und Online-Communities sind unschätzbare Plattformen für den Erwerb und die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten. So wirken sie dem Verlust der Handwerkskunst entgegen - und setzen der Wegwerfgesellschaft einen Riegel vor.

Lu Yen Roloff

Lu Yen Roloff ist die Kommunikationsleiterin der MAKE SMTHNG Kampagne bei Greenpeace. Sie glaubt fest an die Kraft der Vernetzung von Macher:innen aus der ganzen Welt, um den Überkonsum zu bekämpfen. Sie ist total verliebt in all die kreativen Ideen der Bewegung und hat sich vorgenommen, in ruhigeren Zeiten die dunklen Wintertage mit DIY zu überbrücken!