Fachgespräch: Tiefseebergbau - Die Zeit drängt - Über seine möglichen ökologischen und ökonomischen Kosten - 07. Oktober 2022 - Bremen und virtuell

Lars Klitscher Greenpeace Ortsgruppe
in der Gruppe Themengruppe Meere

Tiefseebergbau - Die Zeit drängt

 

Über seine möglichen ökologischen und ökonomischen Kosten

Freitag, 07. Oktober 2022 - 14:00 bis 17:00 Uhr

im Übersee-Museum - Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen

oder virtuell über Zoom

 

Seit 2014 bereits arbeitet die Internationale Meeresbodenbehörde am so genannten Mining Code, dem Regelwerk, das den Abbau mineralischer Ressourcen am Meeresboden der Tiefsee steuern soll. Damit ist der Mining Code von zentraler Bedeutung für die Einführung des Tiefseebergbaus, eines völlig neuen, maritimen Zweigs der Bergbauindustrie. Diese Industrie hätte als zusätzliche Belastung der marinen Ökosysteme als auch durch seinen Einfluss auf die globale Rohstoffpolitik weitreichende Auswirkungen auf die internationale Meerespolitik.

Der Schutz der Ozeane kann durch diese risikobehaftete Technologie in vielen Punkten konterkariert werden und ein weiterer Verlust an Artenvielfalt und intakter Meeresumwelt ist voraussehbar. Dies wird nicht nur die Hohe See, den eigentlichen Zuständigkeitsbereich der Internationalen Meeresbodenbehörde betreffen, sondern darüber hinaus auch die Küstenzonen und die dort lebenden Gemeinschaften im Pazifik und in anderen Teilen der Weltmeere. Eine dieser Problematik angemessene Diskussion und Abwägung der Konsequenzen wird jedoch von verschiedener Seite erschwert.

 

Der pazifische Inselstaat Nauru arbeitet zusammen mit The Metals Company, einem Unternehmen, das vollständig auf den Tiefseebergbau setzt und Inselstaaten dazu nutzt, um über sie einen legalen Zugang zu den Mineralienvorkommen in der Tiefsee zu erhalten. Ein Antrag von Nauru bei der Internationalen Meeresbodenbehörde soll nun sicherstellen, dass das im Besitz von The Metals Company befindliche Unternehmen Nauru Ocean Resources Inc. wie geplant 2024 mit dem Abbau von Mineralien in der Tiefe beginnen kann. Mit dem Antrag wird versucht der Meeresbodenbehörde einen Zeitplan aufzuzwingen, der ausführliche Beratungen verhindert und festlegt den Mining Code bereits 2023 fertigzustellen.

 

So bleibt eventuell nur noch ein knappes Jahr um auf internationaler Ebene Regeln und Alternativen zu erörtern. Die vielzähligen Einwände gegen den Tiefseebergbau sowie die Ansätze dessen Start aufzuschieben oder diesen gänzlich zu verhindern drohen dabei vollständig in den Hintergrund gedrängt zu werden. Unter anderem die Betrachtung der Konsequenzen für die globale Rohstoffpolitik als auch der ökonomischen und finanziellen Ausgestaltung des Tiefseebergbaus kommen eindeutig zu kurz. Die Ressourcen auf und im Meeresboden der Hohen See sind laut dem UN-Seerecht ein gemeinsames Erbe der Menschheit. Ob dieses Erbe angesichts der aktuellen Dynamik gerecht verteilt wird, ob die von Rohstoffexporten abhängigen Staaten im globalen Süden sinkende Erlöse zu erwarten haben, ob Projekte zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft tendenziell zurückgestellt werden und wer letztlich wirtschaftlich von der neuen Industrie profitieren wird, all das sind offene Fragen.

 

Ebenso wenig sind die umweltpolitischen Fragen geklärt. Die Meeresforschung arbeitet mit Hochdruck, hat verschiedene ökologisch ausgerichtete Forschungsprojekte auf den Weg gebracht und füllt die Lücken im Grundlagenwissen über die Tiefsee. Doch noch bestehen auch hier viele Leerstellen und es wird Zeit benötigt, um die Forschungen fortzusetzen und auszuweiten. Nur ein hinreichendes und überprüftes Wissen über die Tiefsee und deren Rolle für das Leben auf unserem Planeten erlaubt die Umsetzung sinnvoller Maßnahmen zum Meeresschutz und eine umfassende Bewertung des Verhältnisses zwischen den ökologischen Kosten und dem wirtschaftlichen Nutzen des Tiefseebergbaus.

 

2022 ist ein Jahr der Ozeane und Meere. Eine Vielzahl laufender internationaler Prozesse ist dabei wesentliche Eckmarken der zukünftigen Meerespolitik zu bestimmen und auch die Bundesregierung richtet in diesem Zusammenhang ihre entsprechenden Strukturen und maritimen Strategien neu aus. Momentan bestimmen allerdings der Krieg in der Ukraine und immer noch die Corona-Krise die öffentlichen Diskussionen. Die Auswirkungen, die der Tiefseebergbau auf die Meerespolitik und den Zustand der Ozeane perspektivisch haben kann, dürfen jedoch keinesfalls übersehen werden. Sie sind viel zu gravierend, um vernachlässigt zu werden. Das Fachgespräch soll der Reflexion der aktuellen Entwicklungen im Tiefseebergbau dienen und Raum für einen offenen Austausch der unterschiedlichen Perspektiven geben.

 

Programm

13.45 Uhr

● Einlass

14.00 Uhr

Begrüßung und Einführung in offene Fragen zum Tiefseebergbau
● Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans und engagiert in der politischen Begleitung des Tiefseebergbaus

14.30 Uhr

Die Ansätze und Probleme bei der Ausgestaltung der Finanzstrukturen im Tiefseebergbau
● Torsten Thiele, spezialisiert auf die internationale Governance und die Finanzstrukturen in der Meerespolitik und des Tiefseebergbaus
15.15 Uhr

● Kaffeepause

15.30 Uhr

Die Meereswissenschaften und der Stand ihrer Forschung zum Tiefseebergbau

● Dr. Matthias Haeckel, beteiligt an wissenschaftlichen Projekten zur Erforschung der Tiefsee und den möglichen Auswirkungen des Tiefseebergbaus
16.15 Uhr

Offener Austausch und Diskussion der anstehenden Entwicklungen im Tiefseebergbau

● Plenum

17.00 Uhr

● Verabschiedung, Small Talk und Kaffee

 

In Kooperation mit dem Forum Umwelt und Entwicklung

 

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Konferenzsprache ist Deutsch.

Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten unter: fair-oceans@gmx.info

Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie vor Ort sein werden oder virtuell teilnehmen möchten, damit wir Ihnen ggf. einen Zoom-Link zukommen lassen können.

 

Mit den besten Grüßen

Das Team von Fair Oceans

 

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Fair Oceans

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Ein Arbeitsschwerpunkt des
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E-Mail: fair-oceans@gmx.info