Die Kampagnen-Organisation Mighty Earth berichtete Anfang März in einem Artikel auf ihrer Website von der Klage 11 indigener Gemeinschaften aus dem brasilianischen und kolumbianischen Amazonasgebiet gemeinsam mit NGOs aus Frankreich und den USA vor dem Gericht in Saint-Etienne gegen den globalen Einzelhandelsriesen Groupe Casino. Die Klage wurde wegen des Verkaufs von Rindfleischprodukten eingereicht, die mit Abholzung und Landraub in Verbindung gebracht werden.
Die Klage erhebt den Vorwurf, dass in den Lieferketten von Groupe Casino in Brasilien und Kolumbien über einen langen Zeitraum hinweg systematische Verstöße gegen Menschenrechte und Umweltgesetze begangen wurden. Nach den vom Center for Climate Crime Analysis (CCCA) für diesen Fall zusammengestellten und analysierten Beweisen kaufte Groupe Casino regelmäßig Rindfleisch von drei Schlachthöfen, die dem Fleischriesen JBS gehören. Die drei Schlachthöfe bezogen Rinder von 592 Lieferanten, die zwischen 2008 und 2020 für mindestens 50.000 Hektar Entwaldung verantwortlich waren.
Die in dieser Klage vorgelegten Beweise zeigten auch Verletzungen der Rechte von Indigenen. In einem der dokumentierten Fälle sei Land einer indigenen Gemeinschaft im brasilianischen Bundesstaat Rondônia von Rinderfarmen, die das Casino's Pão de Açúcar mit Rindfleisch beliefern in Besitz genommenworden, so Mighty Earth.
Trotz zahlreicher Medienberichte, die die Produkte von Groupe Casino mit Abholzung und Landraub in Verbindung bringen, habe das Unternehmen es versäumt, seine Überwachungs- und Durchsetzungsrichtlinien zu überarbeiten, um sicherzustellen, dass es in seiner gesamten Lieferkette keine Umwelt- oder Menschenrechtsverletzungen gäbe. Das Unternehmen hat es gewagt, den Klägern zu schreiben, dass "aufgrund der geringen Anzahl von Berichten, die Rinder als Treiber der Abholzung in Kolumbien erwähnen", Casino es nicht für relevant hält, das Land in den Umfang ihres Sorgfaltspflichtplans einzubeziehen. Dennoch hat Kolumbien eine der höchsten Entwaldungsraten der Welt, wobei die Rinderzucht als Hauptursache gilt.
Die Viehzucht ist einer der Haupttreiber der Entwaldung in Südamerika, insbesondere in Brasilien. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, das indigene Gemeinschaften und direkt betroffene Bevölkerungsgruppen gemeinsam mit internationalen Organisationen für Veränderung kämpfen und bestärkt wieder einmal unsere Bemühungen, das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zu verhindern, da das Abkommen den Export von Rindfleisch und anderen waldzerstörenden Produkten noch zusätzlich befeuern würde.