Porträt: Nordische Wälder

Sophia Rabien Greenpeace e.V. • 22 Oktober 2022
in der Gruppe Themengruppe Wald

Die größten zusammenhängenden Wälder der Erde sind keine Regenwälder, sondern nordische, sogenannte boreale, Wälder.

Sie erstrecken sich über drei Kontinente und sind ausschließlich auf der Nordhalbkugel zu finden - etwa in Sibirien, Kanada und Alaska, Skandinavien. Insgesamt bedecken sie 9% der Erdoberfläche. Sie sind das größte Ökosystem der Erde! Neben den noch verbleibenden Urwäldern der Tropen findet man hier die größten Flächen noch intakter Waldwildnis. 🌲🌲🌲

Borealer Wald
© Christian Åslund / Greenpeace

Charakteristisch für diese Wälder sind die eisigen Temperaturen. Bis zu -70°C kann es dort kalt werden!🥶 Die Winter sind schneereich, die Sommer kurz und kühl. Ein extremer Lebensraum, denn die Böden sind sandig, uneben, sauer und nährstoffarm. Die Arten, die sich dort finden, sind deshalb extrem gut an diese Bedingungen angepasst: Die Wälder sind geprägt von nur vier Nadelholzarten: Fichten, Kiefern, Tannen und Lärchen. Auch Laubbäume kommen vor, beispielsweise Birken. Unter der Erde finden sich riesige Pilzgeflechte, die die Baumwurzeln mit Nährstoffen versorgen. Wenn der Boden dauerhaft gefroren ist und nur oberflächlich etwas im Sommer auftaut, spricht man von Permafrostböden – dort wachsen vor allem Flachwurzler wie Lärchen und Fichten.

Bär
© Günter Lenhardt, Braunbär in Schweden

In Kanada, Russland und Skandinavien sind sie Heimat für Luchse, Bären oder Karibus und dienen so als immenses Refugium für die Artenvielfalt. Über die Hälfte aller europäischen Vogelarten hat einen Teil seiner Brutstätten in borealen Wäldern.

Die Bäume sind zum Teil 1000 Jahre alt! Insgesamt sind die borealen Wälder weniger artenreich als zum Beispiel tropische Wälder, speichern aber mehr CO2 als alle tropischen Wälder zusammen! Sie sind also immens wichtig, wenn wir die 1,5°C Grenze nicht überschreiten wollen! Durch die intensive Nutzung drohen die CO2 Senken jedoch eine Quelle von Emissionen zu werden. 

Die hauptsächliche Landnutzung ist die Forstwirtschaft. Diese Industrie stillt den globalen Hunger nach Holz und Papierwaren. 90% des globalen Papier- und Schnittholzbedarfs werden aus borealen Wäldern gedeckt.😨Doch auch zunehmende Dürren und Waldbrände bedrohen die wertvollen Wälder. 

Rentier
© Rasmus Törnqvist / Greenpeace, Rentier einer Sámi Community

Die Forstindustrie zerstört nicht nur Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, sondern auch den indigener Gemeinschaften, wie z.B. den der Sámi, die bereits seit Jahrtausenden im Norden Skandinaviens leben. Sie gelten als die älteste Bevölkerungsgruppe Europas, leben im Einklang mit der Natur und halten Rentiere.🦌

Protest einer Sámi
© Jani Sipilä / Greenpeace, Protest einer Sámi, "Our Land our Future" steht auf dem Banner

Wie steht es um die borealen Wälder in Skandinavien?🤔

In Finnland sind nur 6% der Wälder streng geschützt, in Schweden sind es 8,8% der Wälder, die  formal geschützt sind.

Zwischen 2015 und 2020 hat die Anzahl der Arten, die auf der Roten Liste stehen, in Schweden um 11% zugenommen. 40% dieser Arten sind abhängig von intakten Wäldern. Das zeigt drastisch, wie stark die Biodiversität der Wälder durch Übernutzung bedroht ist.

Greenpeace Protest in Schweden
© Christian Åslund / Greenpeace, Greenpeace Protest in Schweden

25% der schwedischen Wälder gehören großen Firmen (SCA, Stora Enso, Sveaskog), deren vorherrschendes Management-System der Kahlschlag ist. Anschließend werden Kiefer-Monokulturen gepflanzt. Wenn doch neu gepflanzt wird, was ist das Problem? Ursprüngliche boreale Wälder sind gekennzeichnet durch dichtere und lichtere Waldbereiche. Außerdem tragen sie Äste über den ganzen Stamm verteilt, während Stämme der Forstbäume unten kahl sind. Erstere können Sonnenlicht viel besser nutzen, weil mehr Blattfläche vorhanden ist. 

Eine derart intensive Art der Bewirtschaftung schadet Biodiversität und Klima, da z.B. die CO2 Speicherfähigkeit abnimmt. Die schwedische Forstindustrie ist stark export-orientiert: sie besitzt weniger als 1% der Wälder und deckt 9% der globalen Papier-Exporte ab. Auch wir in Deutschland importieren große Mengen an Papier, z.B. für Verpackungen. 

Um Waldzerstörung endlich zu stoppen und Artenvielfalt zu retten, brauchen wir ein starkes EU-Waldgesetz, das den Handel mit Produkten aus Waldzerstörung verbietet. 💪

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